In "Coriolan" geht es um Politik, Macht und Ohnmacht des Volkes, um Staatsinteressen, Manipulation und das Entstehen der Demokratie. Es ist eines der sperrigsten Shakespeare-Stücke, in dem die theoretische Diskussion dominiert.

Bosse verteilt alle Rollen des Stückes auf sechs Sprecher, die sich mit ihren färbigen Ledermonturen als Protagonisten aus der Masse hervorheben. Die wesentliche Rolle des Volkes wird von einem Chor aus Laien ausgefüllt, der nach einer gut durchdachten Bewegungschoreographie agiert. Das Publikum ist sozusagen Teil des Volkes, es gibt keinen abgegrenzten Zuschauerbereich, man steht, geht herum oder sitzt auf Decken - eine Herausforderung, immerhin dauert das Stück mehr als drei Stunden.

Die Stärken der Inszenierung liegen eindeutig in der Führung der Massen. Wie Bosse das Volk im Stepptanz zu einer Art Gleichschritt formiert und das Klackern der Metallschuhe die Halle erfüllt - das hat theatralische Kraft. Weniger überzeugend sind die Textpassagen. Obwohl man den Hut ziehen möchte vor der Gedächtnisleistung der Akteure, ist doch zu merken, dass es sich hier nicht um Schauspieler handelt, sondern in erster Linie um Performancekünstler, deren Stärke die Körpersprache ist. Insgesamt ein gelungenes Projekt, das ein schwieriges Stück auf zeitgemäße Weise darstellt.

Coriolan

von William Shakespeare

Theatercombinat

Claudia Bosse (Regie)

Betriebsbahnhof Breitensee

Wh.: bis 14. November

Karten: 0681/10649264

Eindrucksvoll.