Im Jahr 1979 beschloss die Bundesregierung, das Zentrale Ausweichsystem (ZAS) in St. Johann einzurichten, um wichtige Daten an einem nach menschlichem Ermessen sicheren Ort zu speichern und IT-Systeme für den Krisenfall zu betreiben. Im Jahr 1982 konnte das ZAS in Betrieb genommen werden. "Das ZAS dient zur Sicherstellung der Durchführung wichtiger Verwaltungsaufgaben in Ausnahmesituationen und soll bei teilweisem oder gänzlichem Ausfall eines Rechenzentrums der Bundesverwaltung dessen Aufgaben übernehmen", beschreibt Christian Schlegl, seit 1980 für den Betrieb verantwortlich, die Aufgaben.

Solche Krisenfälle sind nicht nur Kriege oder Terroranschläge. Auch ein Hochwasser oder ein Brand können die IT-Infrastruktur und wichtige Daten in Gefahr bringen.

Ministerien oder Länder lagern deshalb Kopien ihrer wichtigen Daten und Betriebssysteme im Bunker in St. Johann. Auch private Kunden - wie die Notariatskammer, die Nationalbibliothek oder Ziviltechniker - nützen die Möglichkeit, Sicherungskopien ihrer Daten zu hinterlegen. Während der Großteil der Dokumente mittlerweile elektronisch nach St. Johann geschickt werde, gebe es auch weiterhin ein Mal pro Monat gut bewachte Lkw-Transporte mit Datenträgern von Wien in den Pongau, erzählt Roland Ledinger, im Bundeskanzleramt für den IKT-Bereich zuständig.

Im Bunker gibt es neben Kojen zur Speicherung von Datenträgern auch Großrechner und Computer, auf denen die österreichische Verwaltung ihre Applikationen deponieren und ihre IT-Systeme betreiben kann. Der Bedarf nach Speicherkapazität steigt: In St. Johann soll auch das elektronische Staatsarchiv der Republik Österreich für digitale Langzeitarchivierung eingerichtet werden. Im kommenden Jahr sollen auch die Backup-Server des Schengen-Informationssystems II ihren Standort im Hochsicherheitsdatenspeicher in den Salzburger Bergen erhalten.

Der Bunker ist in den Jahren 1977 bis 1982 im Heukareck nahe St. Johann im Pongau als "Einsatzzentrale Basisraum" entstanden. In 300 Metern Tiefe befinden sich die Zentrale der militärischen Luftraumüberwachung und Einrichtungen für die zivile Führung des Landes. Im Krisenfall könnte die Bundesregierung von St. Johann aus ihre Geschäfte weiterführen. Der Bunker ist gegen Angriffe mit Kernwaffen, mit biologischen und chemischen Kampfstoffen geschützt.