Plastikobjekte aus dem Müllstrudel - gestrandet am Kahuku Beach auf Hawaii. Foto: Greenpeace/Alex Hofford
Plastikobjekte aus dem Müllstrudel - gestrandet am Kahuku Beach auf Hawaii. Foto: Greenpeace/Alex Hofford

Genau weiß das noch immer niemand, was daran liegt, dass die - oft nur millimetergroßen - Plastikteile meist dicht unter der Wasseroberfläche treiben und daher die Dimensionen dieser wilden Müllhalde auf Satellitenfotos nicht zu erkennen sind. Auch über Menge und Gewicht der Kunststoffmasse kann man bestenfalls spekulieren. Die Schätzungen reichen bis zu 100 Millionen Tonnen - das entspräche dem Gewicht des gesamten Kfz-Bestands in Deutschland. Aber "wir können keine dieser Zahlen bestätigen", sagt Holly Bamford. Als Leiterin des "Marine Debris Program" bei der US-Behörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) ist sie zuständig für den großen pazifischen Müllstrudel.

Um die dürftige Informationslage zu verbessern, überflogen unbemannte Drohnen von Schiffen aus den Müllteppich. "Nach Testflügen im vergangenen Jahr mussten wir aber einsehen, dass noch viel Arbeit nötig ist, um geeignete Sensoren und Flugobjekte zu finden", so Bamford. Und so hat die NOAA derzeit weder aktuelle Fotos noch Daten.

Deshalb macht es durchaus Sinn, wenn Aktivisten wie Moore Jahr für Jahr die schwimmende Mülldeponie inspizieren, deren Zustand dokumentieren und Entwicklungstrends kommunizieren. "Diesmal steuern wir genau die Stellen im Strudel an", erklärt der 62-Jährige, "an denen wir bereits 1999 Wasserproben entnommen haben."

Diese Regenbogenmakrele (links) wurde 1000 Seemeilen vor Kalifornien gefangen - mit 17 Plastikstückchen im Magen. Die Teilchen sind oft noch kleiner als die Mikroorganismen, die sich zwischen ihnen sammeln. Foto: Marcus Eriksen, Troy Brajkovich
Diese Regenbogenmakrele (links) wurde 1000 Seemeilen vor Kalifornien gefangen - mit 17 Plastikstückchen im Magen. Die Teilchen sind oft noch kleiner als die Mikroorganismen, die sich zwischen ihnen sammeln. Foto: Marcus Eriksen, Troy Brajkovich

Mehr als 75.000 Seemeilen hat Moore seither mit der "Alguita" zurückgelegt und dabei Tonnen von Plastikmüll eingesammelt - Bälle, Bojen, Kleiderbügel, Reifen, Kanister ohne oder mit gefährlichen Chemikalien, Verpackungen und immer wieder gewaltige Knäuel aus synthetischen Netzleinen und Trossen. Nichts davon baut sich biologisch ab. Vielmehr zerfallen die größeren Objekte unter Einwirkung von Sonne, Wellen und Reibung in immer kleinere Partikel, die unter der Oberfläche treiben und bis 30 Meter Tiefe alles maritime Leben ersticken.

Situation dramatisch verschlechtert

Noch vor wenigen Jahren fand die Algalita Marine Research Foundation (AMRF), die Moore 1994 in Kalifornien mit ererbtem Vermögen gegründet hat, bei ihrer Feldforschung ein Plastik-Plankton-Verhältnis von 6:1 vor - auf ein Kilo Zoo- und Phytoplankton kamen im Nordpazifikwirbel demnach sechs Kilo synthetische Polymere. Zwei Jahre später lag das Verhältnis bereits bei 46:1, und derzeit deutet alles daraufhin, dass sich die Situation dramatisch verschlechtert hat. Moores Team hat bereits in küstennahen Gewässern Südkaliforniens und im Müllwirbel Stichproben entnommen, die hundert Mal mehr Plastik als Plankton enthielten.