Wer an Musik aus Japan denkt, dem kommen vielleicht mit einem leichten Schauder süßliche wie gruselige J-Pop-Blüten oder der Gesang von Damo Suzuki (Can) oder von Keiji Haino in den Sinn.

Wer es extremer mag, dem begegneten sicher auch schon die Noiseattacken von Masami Akita aka Merzbow. Dass Japan jedoch eine rege Post-Irgendwas-Szene aufweist, ist spätestens seit dem Erfolg der Band Mono auch hierzulande bekannt. Mit Letzteren spielte Katsuhiko Maeda als World’s End Girlfriend im Jahr 2006 das Album "Palmless Prayer/Mass Murder Refrain" ein, doch eine größere Aufmerksamkeit blieb ihm bisher verwehrt.

Entfaltungsspielräume

Nach acht Studioalben gründete Maeda 2010 sein Label Virgin Babylon Records - nicht zuletzt, um die volle Kontrolle über seine Aufnahmen zu gewinnen. Im September gleichen Jahres erschien das World’s-End-Girlfriend-Album "Seven Idiots" bei seinem neuen Label und kurze Zeit später "Song Of The Bird" der japanischen Math-Rock-Band About Tess. Weitere Künstler sollten folgen: so etwa der experimentierfreudige Komponist und Pianist Kashiwa Daisuke (sehr empfehlenswert etwa das Album "Re:") oder die theatralischen Extremmusiker Vampillia.

Mittlerweile gehören Bands wie Matryoshka und Have A Nice Day! oder auch Metoronori mit ihrer sogenannten Bedroom-Musik zum festen Stamm des Labels. Es garantiert bei aller Heterogenität der Musikstile den Künstlern größtmögliche Entfaltungsspielräume, sei es beim Zerstückeln von Beats, bei elegisch-meditativen Arrangements oder beim Wagnis kakofonischer Dissonanzen, die frei flottieren dürfen. Die Musiker behalten die volle Kon-trolle über ihre Aufnahmen (inklusive Mastering) und erhalten angeblich siebzig Prozent der Einnahmen.

Heuer erschienen gleich mehrere Veröffentlichungen, die ein intensiveres Hinhören verdienen. Da wäre zunächst das Solodebüt "Dokka No Dareka Dokka No Nanika" von Ryu Nishikata aka Drugondragon. Gleich zu Anfang ("Meteor Girl") wird der Hörer in ein an Xiu Xiu erinnerndes Soundgewebe verstrickt, das durch einen melancholischen, manchmal etwas gelangweilten Sprechgesang kontrastiert wird.

Dominiert wird das Album - bei aller Liebe zu überbordenden Noiseelementen - indes von fast schon minimalistischen elektronischen Spielereien, die mit Shoe-gaze-Akzenten gekrönt werden.