Eine Landpomeranze genannt zu werden, zählt nicht eben zu den Sehnsuchtsprädikaten der modernen Frau. Füllig und derb wird damit assoziiert - und die urbane, gewandte Geschlechtsgenossin als Leitbild impliziert. Aber woher kommt der Ausdruck eigentlich?

"Früher schrieb man durchaus auch ,Landpommeranze‘ und bezog den Ausdruck auf die in Berlin häufig anzutreffenden Dienstmädchen pommerscher Herkunft. Andere führen die Bezeichnung dagegen auf die gesunde Gesichtsfarbe der Landmädchen mit ihren roten Bäckchen, die Pomeranzen glichen, zurück", erklärt Sprichwortpapst Rolf-Bernhard Essig. In seinem Band "Ich kenn doch meine Pappenheimer" geht er den Geschichten hinter sprichwörtlichen Orten nach: Warum führen alle Wege nach Rom? Wo befindet sich eigentlich der "Nabel der Welt"?

Der 1963 in Hamburg geborene, heuer mit dem Berganza-Preis des Kunstvereins Bamberg (gemeinsam mit seiner Frau Gudrun Schury) und mit dem Walter-Serner-Preis ausgezeichnete Literaturkritiker und Dozent versteht sich auf kurzweilige, instruktive Unterhaltung.

Und wartet in diesem Jahr gleich mit einer weiteren Sprichwortsammlung auf: "Da haben wir den Salat". Darin lässt sich etwa nachlesen, was es mit der Wendung "Houston, wir haben ein Problem" auf sich hat - oder mit dem Spruch "Pures Leben", den man in Costa Rica auf den Lippen trägt.

Dass Sprichwörter auch Lebensweisheiten transportieren, belegt u.a. das hübsche französische Beispiel "Sowohl die Ziege als auch den Kohl schonen". Will heißen: bei schwieriger Auseinandersetzung eine geniale Lösung zu finden, die alle zufriedenstellt!