(WT) Dieses außergewöhnliche Buch ist ein Blick auf die Entwicklung der Zweiten Republik nicht nur aus einer abwägend-distanzierten Betrachtung eines Historikers. Es kommt von einer Persönlichkeit, die diese aufregende Zeit miterlebt und auch mitbestimmt hat - als Publizist, leidenschaftlicher Parlamentarier, Minister und Bundespräsident: Heinz Fischer.

Zu seinem 80. Geburtstag 2018 erschien dieser von Herbert Lackner begleitete private und berufliche "Spaziergang". Auch wenn sich der junge Fischer ebenso in den eigenen Reihen der Sozialdemokratie als "Linker" einen Namen gemacht hat, so avancierte er zu einem nachhaltigen Wahrer von Spielregeln, zu einem "Mann der Geschäftsordnung".

Kritiker meinten, ihm käme es nur auf Spielregeln, nicht auf die Ergebnisse deren Anwendung an. Damit tut man ihm unrecht. "Ich habe direkte Demokratie nie als ein Allheilmittel der Politik gesehen... Ich lasse mich aber auch nicht in die Rolle drängen, der direkten Demokratie grundsätzlich negativ gegenüberzustehen", so Fischer. Bruno Kreisky blieb sein "politischer Übervater", von dem er viel lernte: Etwa, frage mindestens drei Experten und bilde dir deine eigene Meinung. In der Hofburg steht dem Altpräsidenten ein "Koordinationsbüro" zur Verfügung. Fischer, der leidenschaftliche Bergwanderer, der Schokolade liebt, arbeitet auch noch weiter. "Ich bin lieber ein Gutmensch als ein ,Schlechtmensch‘".