Das Budapest Festival Orchestra betritt die Bühne, gefolgt von Iván Fischer. Allesamt die Fliege adrett um den Hals gebunden - und bald steht fest: Es dürfte sich dabei um ein Erfolgsmascherl handeln. Denn während das Budapest Festival Orchestra in Dvořáks "Legende" noch sehr breitflächig und weich einsteigt, kommen die Musiker mit dem Slawischen Tanz in c-Moll rasch zur Sache. Doch davor gibt es schon die erste Überraschung: Das Orchester legt die Instrumente beiseite, formiert sich zum Chor und legt einen vielstimmigen Abendsegen (op. 29/1) hin. Das Publikum jubelt spätestens jetzt.

Das Orchester als Chor

In Beethovens zweitem Konzert für Klavier und Orchester bewegen sich die Musiker, nun wieder an ihren Instrumenten, dann eher im sanften Expressionsmodus. András Schiff am Flügel, mit glattgehobeltem Ausdruck, verkörpert die Eleganz schlechthin, und das Orchester, bei dem jede Instrumentengruppe geschliffen und nobel klingt, bietet dafür den idealen Nährboden. Bodenständig und doch leicht. Als weitere Delikatesse folgt Beethovens Drittes Klavierkonzert mit noch mehr Noblesse und Subtilität. Dazwischen eingestreut noch Dvořáks Suite für Orchester in A-Dur, bei dem ein Hauch böhmischer, von tiefer Melancholie getragener Lebenslust durch den Saal weht.

Das Publikum will mehr und so findet sich das Orchester wieder zum Chor und singt Haydns "Der Greis", wozu Sir András Schiff gar zum Liedbegleiter wird. Eine in Originalität und musikalischem Feingefühl einmalige Vorstellung.