Ein Sonnenschein im Regen: Gene Kelly in "Singin’ In The Rain". - © epa/Picturedesk
Ein Sonnenschein im Regen: Gene Kelly in "Singin’ In The Rain". - © epa/Picturedesk

Auch dazu hatte der Dichterfürst etwas zu sagen: Der Regen, schrieb Johann Wolfgang von Goethe angeblich in einem Brief an seine Schwiegertochter, sei ein zwiespältiges Phänomen. Er sei zwar "keines Menschen Freund, aber wohl der Tiere, denn das Gras wächst schön, und die Biertrinker haben sich auch nicht zu beklagen, dass die Gerste nicht gerät."

Keine Frage: Der Schöpfer des "Faust" hat auch hier zeitlose Worte gefunden. Eines kann man jedoch hinterfragen: Ist der Regen wirklich "keines Menschen Freund"? Würde Goethe in das Jahr 2018 gebeamt, er hätte vielleicht nettere Worte für den Niederschlag übrig. Erstens hat der Himmel seine Schleusen heuer ziemlich selten geöffnet. Zweitens kann das Tropfengeprassel ein wahrer Seelenbalsam sein in einer Hektomatikwelt voller Musiklärm, Verkehrsgewühl und Handynachrichten. Einfach das Fenster öffnen, dem Rauschen lauschen und den Blick in den dünnen Wasserstrichen versenken: Das ist das feuchte Gegenstück zu einem Kaminfeuer. Wobei: Diese Witterung kommt nicht nur dem Durchschnittsbürger zugute. Musikhistorisch betrachtet, sind mit dem Regenrauschen im Ohr etliche Stücke von gesteigertem Zartgefühl entstanden, in einer Gefühlswetterlage zwischen Versonnenheit, Sehnsucht und Melancholie. Hier einige Tipps, um die (nun angeblich anrollenden) Niederschläge in vollen Zügen zu genießen.

Das Paradebeispiel für schöne Schlechtwettermusik stammt von Frédéric Chopin: In seinem "Regentropfen-Prélude" (1839) klopfen die Achtelnoten wie fallender Niederschlag, und die Melodie windet sich in einem sanften Fluss. Schönheitsfehler: Der Titel stammt nicht vom Tonsetzer selbst. Chopin hätte darüber wohl die Nase gerümpft: Klangmalerei? Wie banal! Man kann den Titel aber atmosphärisch rechtfertigen: Kein Klavierwerk kommt so nahe an den meditativen Reiz des Regens und vermittelt dabei eine ähnliche Bittersüße.

Claude Debussy hat mit seinen "Jardins sous la pluie" ("Gärten im Regen", 1903) ein heiteres Regenstück für das Piano geschaffen: Drei Minuten lang tollen Kinder durch eine aquarellierte Klanglandschaft. Ganz anders Franz Liszt. Überraschend, aber der Tastenlöwe hat behäbige Schlechtwettermusik für das Klavier ersonnen. Seine "Nuages gris" ("Trübe Wolken", 1881) kommen ganz ohne Virtuosität aus. Zäh reihen sich die Noten aneinander, beschwören eine Art Regen-Menetekel.