Quentin Tarantino wurde Opfer eines "Playboy"-Journalisten, der ein Interview mit Ennio Morricone mit abfälligen Bemerkungen über den US-Filmer "aufhottete". - © afp
Quentin Tarantino wurde Opfer eines "Playboy"-Journalisten, der ein Interview mit Ennio Morricone mit abfälligen Bemerkungen über den US-Filmer "aufhottete". - © afp

Manche Männer behaupten, den "Playboy" nur wegen der Interviews zu lesen. Diese Zielgruppe wird im aktuellen (Dezember-) Heft mit einer kräftigen Kollegenbeschimpfung bedient: Der 90-jährige italienische Filmkomponist Ennio Morricone charakterisiert darin den amerikanischen Filmer Quentin Tarantino als "absoluten Chaoten" und nennt ihn einen "Kretin". Diese abwertenden Urteile sind umso erstaunlicher, als beide Männer bei Tarantinos Film "The Hateful Eight" erfolgreich zusammengearbeitet haben - Morricone erhielt für die Filmmusik sogar den Oscar. Nach einem Dementi des Komponisten musste der Interviewer einräumen, dass er zentrale Teile des Gesprächs falsch wiedergegeben und den Text mit erfundenen Beleidigungen "aufgehottet" hatte.

"Lügenpresse"? Seit geraumer Zeit geistert dieses Schlagwort durch die öffentliche Debatte. Der Begriff hat eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Im Ersten Weltkrieg wurde er für die Auslandspresse verwendet - und später für ideologische und politische Gegner. Kommunisten wandten sich gegen die "Lügenpresse der Bourgeoisie", Nationalsozialisten gegen die "jüdisch-marxistische Lügenpresse". Heute wird der Begriff gern von rechtspopulistischen und rechtsextremen Kreisen verwendet. US-Präsident Trump wirft seinen journalistischen Kritikern nahezu täglich "Fake News" vor - auch, um von der Vielzahl der ihm nachgewiesenen eigenen Lügen abzulenken.

Solche pauschalen Anschuldigungen werden gespeist von einem generellen Konspirationsverdacht, der sich rationalen Argumenten weitgehend entzieht. Umso wichtiger ist es, sich mit realen Falschmeldungen und Medienfälschungen zu befassen, um Gefahrenzonen für die Qualität des Journalismus aufzuspüren. Dazu einige Beispiele aus Geschichte und Gegenwart.

Die Aktualitätsfalle

"Robbie holte Show aus dem Koma" - unter dieser Schlagzeile berichtete das Boulevardblatt "Österreich" am 4. Dezember 2010 über die ZDF-Sendung "Wetten, dass. . .?" vom Vorabend. "Tommy hatte für jeden etwas dabei. Vor allem spannend: Robbie Williams und Take That wieder vereint und das auf der Gottschalk-Couch. Eine Premiere: Robbie trat in der Show zweimal auf, einmal solo und dann mit Band."

In Wirklichkeit verlief die Sendung ganz anders. Kurz nach Beginn stürzte Wettkandidat Samuel Koch, ein 23-jähriger Student, beim Sprung über ein entgegenkommendes Auto, das sein Vater steuerte. Die Live-Sendung wurde zunächst unterbrochen, später endgültig abgebrochen. Die angekündigten Auftritte von Robbie Williams und weiteren prominenten Gästen blieben den geschockten Zuschauern erspart.