(irr) "Mist, wo bin ich hier?", flucht der Wirtschaftskapitän. Die Antwort steckt in der Frage: Der Slimfit-Checker ist auf eine Müllkippe gestürzt, und das hat einen bitteren Grund. Seine Kurswerte sind in den Keller gerasselt, genau wie die seiner Schicksalsgenossen. Die Gucci-Lady mit dem jährlichen Lifting-Service, die Möchtegernsängerin, die als Tagelöhnerin für einen Lieferservice schuftet, der unverbesserliche Idealist, der später dazustößt: Sie alle leiden an ihrer Geworfenheit in eine geschlossene Gammelgesellschaft. Geleitet wird diese von einem rätselhaften Sandler, genannt der "Verweser": Er befiehlt, sich am Müllberg zu schaffen zu machen. Worauf die Neuankömmlinge erst einmal einen Dreck geben und lieber Selfies schießen. Das WLAN-Passwort, bitte!

"Die Überflüssigen" heißt diese Operngroteske von Alexander Kukelka, ist seit Dienstag im Theater Nestroyhof Hamakom zu besichtigen und womöglich das erste Musiktheater, das sich mit Sachspenden der MA 48 schmückt. Die 100 Minuten aus dem Orkus der Wegwerfgesellschaft haben aber auch anderes zu bieten: Die Realitätsverweigerung der Abgestürzten ist anfangs tragikomisch anzusehen, die Gesellschaftskritik skurril statt dampfhammerplump. Und die Musik, gereicht von einem Septett am Bühnenrand, flottiert mit Schwung zwischen Neoklassizismus, Kammerjazz, Kurt-Weill-Stil und Musicalsound mit falschen Noten.

Nur leider: Nach 60 Minuten beginnt das Stück selbst an Verfallserscheinungen zu leiden, es erlahmt der Esprit, die Groteske kippt ins Abstruse. Dank der fünf starken Sänger (darunter Dieter Kschwendt-Michel als Flop-Manager, Ewelina Jurga als Lieferantin) und musikalischer Glanzstellen dennoch kein verlorener Abend.