Was zum Teufel heißt "Double Screening"? Der Jazz-Saxofonist Émile Parisien hat sein neues Album so genannt, und er meint damit wohl eine Unsitte der Gegenwart, nämlich das gleichzeitige Starren auf zwei Bildschirme. Ein irreführender Titel, benötigt die Musik des Franzosen doch etwas, das beim "Double Screening" fehlt: ungeteilte Aufmerksamkeit. Parisien, 1982 in Cahors geboren, ist trotz seiner Jugend bereits ein Meistergestalter. Dabei muss man vorausschicken, dass sich sein (akustisch besetztes) Quartett immer wieder zu hochkomplexen Wimmelbildern steigert.

Doch die Beschäftigung damit lohnt: Parisien und seine Mitstreiter entwerfen ein quecksilbriges Klanggeschehen, das sich ungern zu handfesten Melodien verdichtet, lieber vage bleibt und wendig zwischen den Stilen irrlichtert: Free Jazz, Post-Bop und auch so etwas wie Avantgarde-Kammermusik werden verzwirbelt. Das klingt jetzt ernster, als es ist: Motor dieses Quartetts ist nicht zuletzt sein Spielwitz, zu hören etwa in der Nummer "Deux Point Zéro", die mit kargen Klecksen wie ein Zwölftonstück Anton Weberns beginnt und sich zu einem Klingklang steigert, wie er einer durchgedrehten Spieluhr entfahren könnte.