Die Ehrungen und medialen Auftritte zum 70. Geburtstag von Willi Resetarits Ende Dezember 2018 waren - vorsichtig ausgedrückt - kaum überschaubar, aber das ist nur würdig und recht. Das Ganze gipfelte Anfang Jänner in zwei jeweils vierstündigen Konzerten in der Wiener Stadthalle (F), in denen das Moderatoren-Genie und musikalische Chamäleon W. R. sich von vielen seiner besten Seiten zeigte und mit (insgesamt) zwölf seiner Formationen gemeinsam auftrat, von den Schmetterlingen bis zum Ostbahn Kurti und der Chefpartie.

Diesen beiden legendären Gruppen und ihrer wechselvollen Geschichte sind auch mehrere Kapitel in dem Buch "Ich lebe gerne, denn sonst wäre ich tot" gewidmet, in dem Resetarits aus seinem Leben erzählt (und zwar dem Journalisten und Autor Christian Seiler, der alles niederschrieb - und in dessen Verlag der Band auch erscheint).

W. R. erzählt aber nicht nur von seinen vielen musikalischen Abenteuern und Häutungen, sondern auch von seiner Kindheit und Jugend im burgenländischen Stinatz, in Wien-Favoriten und -Floridsdorf (Bruckhaufen!), von der Arena-Besetzung und von seinen sozialen Initiativen wie SOS-Mitmensch oder dem Inte-grationshaus.

So wie auf der Bühne - und im Radio - kommt W. R. (der seinen großen Bruder, den Kabarettisten Lukas, übrigens durchgängig bei dessen Erstnamen, Erich, nennt) auch im Buch in erfrischender Direktheit und mit robustem Humor rüber. So etwa, wenn er vom Unterricht in Stinatz erzählt. Auf die Frage der (aus Ungarn stammenden) Lehrerin nach dem größten Tier "riefen die Kinder: ,Der Tiger, Frau Lehrer. Der Lewe‘. (. . .) ,Nein, Kindär‘, sagte sie in angemessen belehrendem Ton. ,Das ist där Oroszlán.‘ Oroszlán ist das ungarische Wort für Löwe. So lernten wir in Stinatz Deutsch."