Die Schauspielerin Elizabeth Taylor war vier Jahre alt, als die 1912 in Reading geborene Schriftstellerin Elizabeth Cole bei ihrer Heirat den Namen Taylor annahm. Es muss ein spezielles Lebensgefühl gewesen sein, den eigenen Namen stets zuerst mit einer anderen Person verbunden zu erleben.

Nun bringt der DörlemannVerlag nach und nach die Romane der Schriftstellerin Elizabeth Taylor, neu übersetzt von Bettina Abarbanell, wieder heraus, und wir Leser dürfen entdecken, dass dieser Name verlässlich für Qualität bürgt. Nach "Blick auf den Hafen" (2011) und "Versteckspiel" (2013) erschien 2018 "Angel": Angel, Angelica Deverell, ist die einzige Tochter ihrer verwitweten Mutter. Die Deverells hungern nicht, aber sie leben äußerst bescheiden in der kleinen Wohnung über dem Laden.

Von diesem Laden, immerhin die Lebensgrundlage der Familie, will die Tochter nichts wissen. Mutter und Tante zahlen gemeinsam "eine gute Schule" für Angel. Sie hilft dafür nicht beim Bedienen der Ladenkunden, sondern träumt vielmehr von einem glamourösen Leben als erfolgreiche Schriftstellerin. Elegant und einfühlsam beschreibt Elizabeth Taylor die Sorgen und Ängste der Mutter, die Empörung und Scham der Tante und die unerschütterliche Entschlossenheit der Tochter: Denn eines Tages verschickt Angel tatsächlich ihr erstes Manuskript, das unverkennbar in dem Herrenhaus spielt, in dem die Tante Hausangestellte ist. Und das Unwahrscheinliche passiert. Der Text wird angenommen, und Angel ist verwundert, dass die Welt in ihrem Lauf nicht innehält.

Als sie mitbekommt, dass der Literaturbetrieb trotz des großen geschäftlichen Erfolgs durchaus zwiespältig auf ihren Roman reagiert, wächst ihre Entschlossenheit nur noch. Sie schreibt und schreibt, bis sie und ihr Leben den Stoff für einen eigenwilligen, manchmal traurigen und dann wieder enorm komischen Roman abgeben. Mit diesem Roman hat Elizabeth Taylor das Schreiben an sich und den Literaturbetrieb aus luftigen Höhen herab auf die Erde geholt. Ein großes Vergnügen!