Am Samstagabend ging es im Wiener Konzerthaus nicht nur thematisch mit dem Teufel zu. Innerhalb kürzester Zeit erkrankten drei Solisten, sodass die Aufführung von Hector Berlioz’ "La damnation de Faust" auf Messers Schneide stand. Am Tag des Konzerts selbst konnte der Russe Alexander Vinogradov für die Rolle des Méphistophélès gewonnen werden.

Das Publikum durfte sich glücklich schätzen, dass es nicht nur der Besetzungsfrage, sondern auch der musikalischen Darbietung kaum an spannungsvoller Dramatik mangelte. Allen voran Tenor Saimir Pirgu glänzte als Faust mit durchwegs weichem Timbre, mit dem er die fordernden Höhen seiner Rolle bewundernswert meisterte, ohne dabei zu forcieren. Mezzo Kate Aldrich stellte die Rolle der Marguerite mit feiner Diktion und packender Bühnenpräsenz dar und entschädigte für ihre mitunter blasse Tiefe mit kraftvoll packenden Spitzentönen. Mit etwas breiterem Pinsel gingen die Einspringer Vinogradov als Méphistophélès und Konzerthaus-Debütant Edwin Crossley-Mercer als Brander zu Werke. Sowohl Vinogradovs kraftvolle und impulsive Interpretation als auch Crossley-Mercers stimmlich überzeugende Darbietung gerieten über weite Strecken monoton und zu ungenau in ihrer Deklamation.

Fulminantes Orchester

Vollkommen exakt hingegen Orchester und Chor: Während das fulminante Spiel der Wiener Symphoniker unter Chefdirigent Philippe Jordan das gesamte Spektrum der Berlioz’schen Instrumentationskunst erstrahlen ließ, überzeugte die Singakademie gewohnt wohlartikuliert und energisch.