Bemerkenswert ist, dass nicht wenige der Mitglieder in diesem Freundeskreis bekannte österreichische Künstler waren, etwa Josef Hoffmann, Arnold Schönberg, Oskar Kokoschka oder Franz Werfel. Sogar das Briefpapier, auf dem die Korrespondenz des "Freundeskreises" erfolgte, wurde von einem Österreicher gestaltet: dem Grafiker und Fotografen Herbert Bayer, der ab 1921 am Bauhaus studiert hatte und dort ab 1925 Leiter der Grafik- und Druckwerkstatt wurde.

Das von Walter Gropius entworfene Bauhausgebäude in Dessau, 1925/26. - © Stiftung Bauhaus Dessau
Das von Walter Gropius entworfene Bauhausgebäude in Dessau, 1925/26. - © Stiftung Bauhaus Dessau

Als 1924 die Sozialdemokraten die Mehrheit in Weimar verloren und eine konservative Mehrheit die Stadt regierte, wurde das Bauhaus-Experiment finanziell ausgehungert. In Dessau fand die Schule eine neue Heimat - allerdings nur für sieben Jahre, bis 1932. Den Rechten und insbesondere der erstarkenden NSDAP war das Bauhaus ein Dorn im Auge. 1932 musste die Schule neuerlich umziehen, für einige Monate fand sie in Berlin eine Bleibe. Nach der Machtübernahme der Nazis kam 1933 das endgültige Aus für das Projekt.

Das Bauhaus übte auf zahlreiche junge Künstler aus Mitteleuropa, etwa aus Ungarn, Polen und der Tschechoslowakei, aber auch aus Frankreich, eine große Anziehung aus. Viele von ihnen studierten einige Jahre an der renommierten Kunstschule. Umgekehrt trugen die Bauhausschüler ihre Kenntnisse und Experimente auch zurück in ihre Herkunftsländer. In Bratislava und Prag etwa entstanden unter dem Einfluss von Karel Teige, Zdeněk Rossmann, Josef Vydra, Jaromír Funke u.a. Kunstschulen, die sich am Bauhaus orientierten.

Auch etliche österreichische Schüler studierten am Bauhaus, teilweise waren sie über die Vermittlung von Johannes Itten dazu gekommen, der während des Ersten Weltkriegs in Wien eine innovative Kunstschule betrieben hatte und 1919 auf Einladung von Gropius nach Weimar wechselte. Neben dem bereits erwähnten Herbert Bayer studierten und arbeiteten noch weitere Österreicher am Bauhaus, u.a. die Maler und Grafiker Trude Waehner, Franz Oehner, Franz Probst, Franz Skala und Rudolf Baschant, die Fotografin Edith Suschitzky (die später unter dem Namen Edith Todor-Hart in England bekannt wurde), die Architekten Otto Breuer, Anton Brenner und Franz Singer, die Malerin, Fotografin und Architektin Friedl Dicker, die Grafikerin Anny Wottitz, der Designer Carl Auböck und seine Frau, die Textilkünstlerin Mara Auböck sowie der Fotograf Erich Komeriner (der in Wien geboren wurde, aber in Berlin aufwuchs). Auch "Alt-Österreicher", wie etwa die aus Karlsbad stammende Textilkünstlerin Lisbeth Oestreicher suchten den Weg ans Bauhaus.

"Rotes Wien"

Das Interesses am Bauhaus war also in Österreich durchaus vorhanden. Und dennoch blieb es bei der Faszination Einzelner. Weithin sichtbare Spuren hat das Bauhaus hier nicht hinterlassen. Zum einen hat das wohl damit zu tun, dass in Österreich und vor allem in Wien die großen künstlerischen Reformbewegungen bereits um die Jahrhundertwende stattgefunden hatten, denken wir etwa an die Sezession oder die Wiener Werkstätte. Auch der österreichische Werkbund bot sich als Ansprechpartner zunächst an, da dieser bis Ende der 1920er Jahre zerstritten und wenig aktiv war.