Terence Blanchard setzt sich für Bürgerrechte ein. - © Henry Adebonojo
Terence Blanchard setzt sich für Bürgerrechte ein. - © Henry Adebonojo

Als Terence Blanchard Anfang der 1980er Jahre als Trompeter in Art Blakeys Kaderschmiede "The Jazz Messengers" einstieg, jubelte die Jazzwelt dem damals 20-Jährigen zu. Doch ließ er den Neotraditionalismus bald hinter sich. Stattdessen arbeitete der fünffache Grammy-Gewinner mit Kultregisseur Spike Lee zusammen, entwickelte Filmmusik von "Malcolm X" bis "BlacKkKlansman".

Mit seinem Quintett "E-Collective" legt der heute 56-Jährigen ein neues Live-Album vor, ein Mix aus Jazz, Funk, Rock und politischer Botschaft. Die "Wiener Zeitung" traf den Bandleader und Komponisten im Münchner Jazzclub "Unterfahrt".

"Wiener Zeitung":Wie entstand die Idee zu Ihrem neuen Album?

Terence Blanchard: Wenn man ein gewisses Alter erreicht, fragt man sich: "Wer wird sich erheben und für uns sprechen?" Dann schaut man sich um und stellt fest, dass die James Baldwins, Muhammad Alis und Dr. Kings nicht mehr unter uns weilen. Und versteht langsam, dass man nun selbst aktiv werden muss. Deshalb war für mich klar, nach unserem Studio-Album "Breathless", das wir dem von Polizisten ermordeten Eric Gardner widmeten, können wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Schon damals prangerten wir Waffengewalt an. Das war noch, bevor Trump an die Macht kam. Er begann gerade seinen Wahlkampf. In den Nachrichten hieß es nur noch Trump, Trump. Dem versuchten wir entgegenzuwirken. Wir wollten, dass die tragischen Ereignisse nicht vergessen werden. Es ging mir nicht allein darum ein neues Album aufzunehmen und Konzerte zu spielen, sondern um mehr. Um Engagement und Aufmerksamkeit.

Spiegelt sich das in Ihrer Musik wider?

Sie ist davon inspiriert - von der selbstlosen Arbeit der Sozialarbeiter, aber auch vom Frust, wenn der Protest vieler gegen Waffengewalt und Waffenkontrolle nicht gehört wird. Ein großer Teil der Bevölkerung, egal, welcher Hautfarbe, will eine umfassende Waffenkontrolle. Aber die Waffenlobby ist riesig, eine Maschinerie mit irrem Cashflow.

Hat sich die Atmosphäre zugespitzt seit der Wahl Trumps?

Auf jeden Fall. Rassistisch motivierte Zwischenfälle und Angriffe häufen sich. Derzeit möchte ich als Schwarzer nicht unbedingt in eine Polizeikontrolle geraten. Dieses Gefühl kannte ich lange nicht mehr. Als Kind und vor allem als Jugendlicher war mir das nur allzu vertraut. Ich dachte, das gehört der Vergangenheit an. Ich habe viele Freunde, die bei der Polizei arbeiten. Und solange man sich ihnen gegenüber respektvoll verhielt, war alles in Ordnung. Aber das ist heute anders. Die Nerven liegen blank. Der Hauptgrund, warum alle so schnell ausrasten, ist, weil keiner die Konsequenzen seiner Tat befürchten muss. Haftstrafen werden kaum verhängt.