Ein paar Musizierende auf einem Podium, die unter der Leitung eines Dirigenten mehr oder minder abstrakte Kompositionen interpretieren - so ist Neue Musik in der Regel zu erleben. Zu langweilig, beschied das Klangforum Wien. Zwar bedient das Ensemble meist nach wie vor das klassische Konzertformat - immer öfter wird dieses aber auch überschritten. Gerade konnte man bei einem "Symposion" die Wechselwirkungen von Musik und berauschenden Getränken erproben, schon wildert die Neue-Musik-Formation noch weiter außerhalb ihres Reviers: So erklärte sie Christian Felbers "Gemeinwohlökonomie" zum gesellschaftlich relevanten Konzept und als solches zum Zuständigkeitsbereich zeitgenössischer Musik. Beauftragte 20 Frauen(!) mit der Erschaffung von zehn Animationsfilmen samt Vertonung. Und trat in Form einzelner Mitglieder vors Publikum, um mit diesem individuelle Gedanken über Musik, Leben und Gemeinwohl zu teilen.

So verschieden die Bezugnahmen der Filme zum Gemeinwohl-Konzept gerieten, so unterschiedlich ist das Verhältnis von Video und Musik. Während etwa Malin Bångs Musik zu "Bloomers" von Samantha Moore die Produktionsvorgänge in einer Näherei illustriert, verhilft die bewegte Ensemblemusik von Iris ter Schiphorst dem Archivmaterial vom Justizpalastbrand in Michelle Kranots "Suggestion of Least Resistance" zu energetischer Dringlichkeit.