Der Mann ist fraglos einer der wichtigsten Lyriker des 20. Jahrhunderts, ein ausgezeichneter Songschreiber, ein Legende u.s.f. Dazu kommt, daß "Time out of mind" ein überzeugendes Album war, das Bob Dylan auch als (Studio)Musiker ins Rampenlicht rückte. Der Lohn waren begeisterte Kritiken und Grammyehren.

Die Freude, ihn leibhaftig zu sehen, währt gerade bis zur zweiten Nummer in der Linzer Sporthalle. Irgend jemand muß Dylan in der Idee bestärkt haben, ein Sologitarrist zu sein, und so legt er denn einen Brachiallauf hin, der selbst Neil Young als ziseliernden Lautenisten erscheinen läßt. Bei "Masters of war" wird`s etwas besser, aber so richtig in Fahrt, wie seinerzeit mit Mick Taylor, kommt die Nummer nicht. Es folgen Lieder, die das Publikum mitsingen könnte ("It`s all over now, baby blue", "She belongs to me" etc.), würde Dylan sie nicht gegen die Melodie und den Rhythmus interpretieren.


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Diese Art von Dekonstruktivismus ist man von ihm ja gewöhnt. Neu sind die Soli, die viele vernudelte Triolen und so manche Passagen in der falschen Tonart enthalten. Was den Takt betrifft, so musiziert Dylan bisweilen weit hinter seiner Band.

Im elektrifizierten Teil, bei "Leopard-skin pill-box hat", "Highway 61" und anderen Stücken, macht der vergreist wirkende Songwriter sogar ein paar Bewegungen, die wie eine geriatrische Version von Status Quo anno `72 wirken. "Sick of love" ist die zweite überzeugende Nummer des Abends, ehe nach einer Garagenbandfassung der Stonesnummer "Not fade away" das Licht angeht. Wer sich die Selbstzerstörung des Dichters wider Willen ansehen möchte, hat dazu heute in der Wiener Stadthalle (19.30 Uhr) Gelegenheit.

Wer nicht hingeht, dem sei mitgeteilt, daß Bob Dylan sich allem Anschein nicht leiden kann. Nach diesem Abend hat man dafür Verständnis.