Aus aus dem Nichts kommenden Piani biegt sie Fortissimi heraus, die sie wie in einem Futteral wieder piano verschwinden lässt; Koloraturen sind immer Ausdruck und nie Selbstzweck; ihre Töne, mit denen sie unnachahmbar präzis spielt, lassen Gedanken keinen Platz, sondern vermitteln nur perfekt gestaltete Gefühle: explosive Wut, Liebe, Leid - von konzertant keine Spur, das Erlebnis heißt Edita Gruberová und feierte nun mit der Donizetti-Oper "Anna Bolena" im Wiener Musikverein 45-jähriges Bühnenjubiläum.

Was tut es, wenn ein paar Spitzentöne da mehr durch Kraft als durch Klingen wirken: unglaubliche 66 ist das Wunder Gruberová. Auch die Partner waren beeindruckend: Sonia Ganassi glänzte als Seymour, Hagar Sharvit ist eine große Mezzo-Hoffnung, die man bald wieder zu hören hofft, José Bros war ein manchmal berückender Tenor und Riccardo Zanellato ein viriler Heinrich VIII., dessen Stärke das Zweitestimme-Halten mit seiner nächsten Frau nicht war; untadelig hingegen Daniel Kotlinski und Andrew Lepri Meyer. Gut präsentierte sich der Münchner Opernchor, was man vom Münchner Opernorchester allerdings nicht sagen kann: Punktierungen hätte sich Donizetti für dieses von Präzision ziemlich ferne Orchester sparen können, bei dem die Streicher nicht selten versuchten, die nächste rettende Rendezvous-Stelle einzeln zu erreichen. Dafür sorgte ein Fast-Kickser des Tenors für eher fragwürdige Heiterkeit im Orchester.

Eine Konzertbesucherin sagte in der Pause, sie halte sich an die Stimmen - recht hatte sie. Und der Diva forever und Königin Gruberová wurde mit orkanartigem Jubel und StandingOvations gehuldigt.

Konzert

Edita Gruberová

Wiener Musikverein