Nur auf den ersten Blick erscheinen Stummfilme über Komponisten und ihre Musik heute skurril, immerhin wurden die bewegten Bilder seinerzeit von einer Orgel oder gar einem kleinen Orchester begleitet. Filme haben überlebt, ihre Soundtracks kaum. Erfreulicherweise sind zeitgenössische Filmmusiken zu restaurierten Werken des frühen Kinos zuletzt zu einem eigenen Genre gewachsen. Zur Entwicklung dieser wiederentdeckten Gattung trägt Gerold Huber bei, der zwei Stummfilme über Ludwig van Beethoven vertonte. Im Rahmen der Konzerthaus-Serie "Film + Musik live" stellte er die Beiträge erstmals vor.

In "The Origin of Beethoven’s Moonlight Sonata" (USA, 1909) drängt der berühmte erste Satz der sogenannten "Mondscheinsonate" als roter Faden regelmäßig an die Oberfläche. Davon abgesehen vermeidet Huber weitgehend direkte, musikalische Bezüge, wenngleich der Geist Beethovens stets spürbar ist. Das betrifft auch den Film "Der Märtyrer seines Herzens", der 1918 mit Fritz Kortner als Beethoven an zum Teil verloren gegangenen Originalschauplätzen gedreht wurde. Huber kommentiert die Handlung nicht mit diegetischen Effekten, sondern hüllt sie in atmosphärische Wolken, die zwar Wetterschwankungen unterliegen, aber an zahlreichen Stellen, an denen man dramatische Akzente erwarten würde, überraschend souverän hinwegziehen. Man könnte diese Stimmungsbilder als Gefühlszustände aus retrospektiver Sicht des Protagonisten interpretieren.

Die Filme verband Huber mit der "Mondscheinsonate". Es war eine traditionelle Lesart, die perfekt ins Konzept passte.