Der spanische Entdecker Alvaro de Mendaña. - © Museo Naval, Madrid
Der spanische Entdecker Alvaro de Mendaña. - © Museo Naval, Madrid

Vor 450 Jahren stand Spanien auf dem Höhepunkt seiner kolonialen Expansion. Nach der Eroberung der "Neuen Welt" lockte der Südkontinent, den man in den Weiten des Pazifischen Ozeans vermutete.

Die Vorstellungen von einer großen Kontinentalmasse auf der Südhalbkugel der Erde gehen auf die Antike zurück. Als griechische Mathematiker erstmals den Umfang der Erdkugel bestimmten, wurde offenkundig, dass die bekannte Welt - Europa, Asien und Afrika - nur einen Teil davon umfassen konnte. Die Wiederentdeckung dieses antiken Wissens hatte großen Einfluss auf das Weltbild der Renaissance: So verwob sich der Mythos vom unbekannten Südkontinent mit Spekulationen über reiche Inseln im gerade erst entdeckten Pazifischen Ozean, wo man das "Goldland Ophir" des biblischen Königs Salomo vermutete. Den Spaniern kamen zudem Überlieferungen der Inka über große Inseln westlich von Peru mit Gold- und Silbervorkommen zu Ohren.

Eine Pazifik-Karte von 1598 mit einer Darstellung des noch unentdeckten Südkontinents. - © ONB, Wien
Eine Pazifik-Karte von 1598 mit einer Darstellung des noch unentdeckten Südkontinents. - © ONB, Wien

Die erste Expedition


Diese Erzählungen inspirierten Abenteurer, aber auch Männer der Gelehrsamkeit wie den peruanischen Kosmologen und Historiker Pedro Sarmiento de Gamboa. Auf sein Drängen hin rüstete der Gouverneur Perus, Don Lope Garcia de Castro, zwei Schiffe für eine Pazifik-Expedition aus. Das Kommando über die kleine Flotte, die am 19. November 1567 von Callao auslief, erhielt der erst 25 Jahre alte Neffe des Gouverneurs, Alvaro de Mendaña y Neyra.

Fast drei Monate segelten die Schiffe nach Westen. Am 7. Februar 1568 sichtete man auf einer Breite von 8° südlich des Äquators eine gebirgige Küstenlinie. War dies der Südkontinent? Dunkelhäutige Eingeborene paddelten den Schiffen in Kanus entgegen, und vorerst nahmen die Spanier friedlich mit ihnen Kontakt auf. Beim ersten Vordringen ins Innere des von dichtem Dschungel bedeckten Landes wurden sie in heftige Kämpfe mit Kriegern anderer Stämme verwickelt. Nur dank ihrer überlegenen Feuerwaffen konnten sich die spanischen Soldaten behaupten.

Bei genauerem Suchen erwies sich, dass es sich beim entdeckten Land um eine große Insel handelte; Mendaña benannte sie "Santa Ysabel". Anfang Mai 1568 setzte die Flotte zu einer weiteren ausgedehnten Insel im Süden über, die man "Guadalcanal" nannte. Ende Juni 1568 steuerte man eine dritte Insel an, die "San Cristoval" benannt wurde. Mendaña vertrat die Auffassung, der gesuchte Kontinent könnte noch weiter im Süden zu finden sein, doch der Großteil der Mannschaft drängte auf die Heimreise.

Nach einer Fahrt von vier Monaten auf Nordostkurs erreichten die Seefahrer die Küste von Nordamerika. Am 11. September 1569 trafen die beiden Schiffe wieder in der peruanischen Hafenstadt Callao ein; von ursprünglich 160 Expeditionsteilnehmern kehrten nur mehr etwa hundert zurück.

Gouverneur Castro wurde bald darauf durch einen neu ernannten peruanischen Vizekönig abgelöst. Deshalb reiste er mit seinem Neffen Alvaro de Mendaña nach Spanien, um dem König von den Entdeckungen zu berichten. König Philipp II. ermächtigte Mendaña 1574 dazu, die von ihm entdeckten "Inseln des Salomo" im Südmeer auf eigene Kosten zu erobern und zu besiedeln. Doch beinahe zwanzig Jahre sollten verstreichen, bis er in García Hurtado de Mendoza (Vizekönig von Peru 1590-1596) einen Förderer für sein Vorhaben fand.

Die Kolonialflotte


Dass Alvaro de Mendaña im Jahr 1585 die wohlhabende Peruanerin Isabel de Barreto geheiratet hatte, trug zur Verwirklichung seiner Pläne bei: Dank der Mitgift und der Unterstützung des Vizekönigs konnte er zwei große Galeonen kaufen und ausrüsten; zwei kleinere Schiffe wurden von weiteren Expeditionsteilnehmern gestellt. Den Posten des Ersten Steuermannes erhielt Pedro Fernandez de Quiros, ein Portugiese. Nachdem genug Kolonisten angeworben waren, lief Mendañas Flotte mit 378 Personen an Bord am 16. Juni 1595 aus dem peruanischen Hafen Payta aus. Auch Mendañas Gattin war dabei.

Schon nach einem Monat traf man auf mehrere hohe Inseln mit hellhäutigen, großgewachsenen Bewohnern. Nach seinem Förderer benannte Mendaña die Inseln "Las Marquesas de Mendoza" (die polynesische Inselgruppe heißt heute noch "Marquesas"). Mendaña erwog, einen Stützpunkt anzulegen, ließ aber letztlich die Segel zur Weiterfahrt setzen.

Als acht Wochen später die "Inseln des Salomo" immer noch nicht erreicht waren, breitete sich Unruhe unter den Kolonisten aus. Am Abend des 7. September 1595 sichtete man auf rund 10° südlicher Breite Land - doch am folgenden Morgen war eine Galeone spurlos verschwunden! Der Rest der Flotte steuerte die palmbestandene Küste an. Mendaña hoffte, seine Inseln gefunden zu haben; bald musste er aber einsehen, dass dies nicht zutraf; er benannte die neue Insel "Santa Cruz". Um nicht weiter ins Ungewisse zu fahren, beschloss er, hier die Kolonie zu gründen.

Anfangs machten sich alle Spanier mit Eifer an den Bau einer Siedlung; doch ein Teil der Soldaten zettelte eine Verschwörung an, um die Insel wieder zu verlassen. Gouverneur Mendaña ließ mehrere Rädelsführer hinrichten. Aber wie eine "Strafe Gottes" überfiel eine Seuche die Siedlung, auch Alvaro de Mendaña fiel ihr zum Opfer und verstarb am 18. Oktober 1595. Wiederholt attackierten zudem die Eingeborenen die dezimierten Siedler. Schließlich beschloss Isabel de Barreto - von Mendaña zur Nachfolgerin ernannt - die Kolonie aufzugeben. Nur der Navigationskunst des Ersten Steuermanns Quiros war es zu verdanken, dass das Flaggschiff mit weniger als hundert Überlebenden am 11. Februar 1596 Manila auf den Philippinen erreichte; die beiden übrigen Schiffe waren verloren gegangen.