Haydn u. a.: Yaara Tal: Seven last words. Sony Classical, 1 CD, ca. 20 Euro
Haydn u. a.: Yaara Tal: Seven last words. Sony Classical, 1 CD, ca. 20 Euro

(dawa) Klaviermusik, die durch Mark und Bein geht. Auch außerhalb der Karwoche. Die israelisch-deutsche Pianistin Yaara Tal lässt keine emotionelle Finte aus, um Joseph Haydns "Sieben letzte Worte unseres Erlösers am Kreuze" zum großen Spannungsmoment zu machen. 1786 als Orchesterwerk bei den spanischen Domherren zu Cádiz zur vorösterlichen Kontemplation komponiert, gelingt Tal die authentische Klavierfassung als überreligiöses Statement pro Humanismus. Wie versöhnend die Töne zu Sonata 1 währen - "Vater vergib Ihnen". Sonata 5, "Mich dürstet" übt beklemmenden Schrecken aus.

Dazwischen fügen sich Arnold Schönbergs epochale op. 19 Stücke in nicht chronologischer Reihenfolge perfekt ein. Nahtlos gelingt der Pianistin der Übergang von Klassik zu klassischer Moderne, eine dramaturgisch perfekte Inszenierung. Wörtlich genommen erscheint nach Haydns Terremoto-Schluss Béla Bartóks "Morgendämmerung" (aus zehn leichten Stücken Sz 39) wie Tag auf Nacht. Als handelte es sich bei vorliegender Aufnahme um einen Zyklus aus ganzem Guss, wird die Hörerschaft schlicht abgeholt.