In typisch Parker’scher Lakonie lässt sich die Handlung dieses Romans kurzgefasst so beschreiben: "Ein Job war in die Binsen gegangen, und jetzt war er wieder in Ordnung gebracht. So einfach war das." Den Vornamen dieses Profiverbrechers kennt nur seine Frau, doch die ist schon nach wenigen Seiten tot. Beim letzten Coup hat sie ihn zugunsten eines anderen Beteiligten verraten und sogar versucht, ihn zu erschießen, und so etwas vergisst ein Mann wie Parker nie. Er will nicht nur seinen Anteil zurück, den man ihm damals vorenthielt, sondern auch Rache nehmen an Lynn und Mal Resnick, einem Großmaul, das einem weitgespannten Verbrechersyndikat angehört. Und nach getaner Arbeit endlich wieder ein wenig ausspannen - bis zum nächsten "Bruch", mit dem er seinen Lebensunterhalt verdient.

Die acht "späten" Romane der Parker-Reihe hat uns der Wiener Zsolnay Verlag bereits in hervorragenden Übersetzungen geschenkt. Nun legt er - vielleicht als Dessert, vielleicht aber auch als Appetitanreger für den nächsten Gang - den 1962 im Original erschienenen Erstling dieser einmaligen Krimiserie vor, der vor allem durch die Verfilmung unter dem Titel "Point Blank" (mit Lee Marvin in der Hauptrolle) Berühmtheit erlangte. Seither gehört Parker zu den großen Gestalten des Genres, das gerne als roman noir bezeichnet wird. Wobei er eher ein Seelenverwandter von Patricia Highsmiths Tom Ripley ist, der kurz vor ihm, nämlich 1955, erstmals die literarische Bühne betreten hatte. Und schon im Erstling ist alles da, was diese Romane so besonders macht: die Lakonie, der dichte Erzählstil, der Verzicht auf Psychologisierungen. Das Debüt erreicht noch nicht ganz die souveräne Entspanntheit der späten Romane. Aber angesichts der aktuellen Flut an banalen und/oder brutalen Kriminalromanen ist jeder "Parker" ein Grund zur Freude.