Der kürzlich sechzig Jahre alt gewordene italienische Pianist und Filmmusikkomponist ("Ziemlich beste Freunde", "This Is England", "Aprile") Ludovico Einaudi liebt die Produkte des familieneigenen, piemontesischen Weingutes bei Dogliani ebenso wie die kreative Atmosphäre des hauseigenen Studios.

Der gerne in elegantem Schwarz auftretende Musiker performt vor großen Hallen unkompliziert und antidepressiv wirkende Eigenkompositionen als Solist. Sein neues Werk, "Elements", kombiniert sparsame Grundthemen am Klavier mit zusätzlichen Arrangements von Streichern und Perkussionselementen. Der Turiner Pianist stellt auf diese Art die Grundelemente des Lebens, wie Buchstaben ("ABC"), Zahlen ("Numbers") und Wassertropfen ("Drop") dar, auf die sich seine eigenständige Noten-Mystik und die minimalistischen Zeichnungen am Album-Sleeve beziehen.

Vier Generationen der Einaudi traten bereits gestaltend an die Öffentlichkeit: Ludovicos Vater Giulio (1912-1999) leitete den Turiner Familien-Verlag, der etwa Italo Calvinos Werk publiziert; Großvater Luigi (1874-1961) war Politiker und als solcher von 1948 bis 1955 italienischer Staatspräsident.

Ludovicos Tochter Jessica wiederum, eine sensible Sängerin mit Löwenmähne, reicht elektronischen Homemade-Pop unter dem Bandnamen J Moon. Vor dem geistigen Ohr der Hörerschaft entsteht der innerfamiliäre Diskurs, wenn sich Vater Ludovico mit den Songs von PJ Harvey, Coldplay und Björk befasst, deren Sukkurs mit einem Anhauch von Johann Sebastian Bach Eingang in sein Werk fand.

Einaudi erweist sich mit den zwölf Beiträgen von "Elements" als unaufdringlicher und präzise spielender Überschreiter von Grenzen, dessen Werke mit der Amsterdamer Sinfonie ebenso harmonieren wie mit der Kalimba Francesco Arcuris.

Beiträge des Bratschisten Federico Mecozzi und des Geigers Daniel Hope, die übrigens mit Christoph Burgstaller in Wien aufgenommen wurden, verleihen Einaudis Scheibe dazu die nötige Würze und Exotik.