(h. m.) Nicht ganz drei Jahre nach dem Erscheinen des Debütalbums "If You Leave" veröffentlicht das Londoner Trio Daughter sein zweites Album. "Not To Disap-
pear" schließt mit seiner Mischung aus verhalten-trister Eleganz und distanziert-unterkühlter Schönheit an den erfolgreichen Erstling an, erweitert das Spektrum aber durch etwas mehr Schroffheit und Abgründigkeit.

Immerhin werden in den zehn Songs auch zutiefst menschliche Tragödien wie Einsamkeit, Verlustangst, Demenz und Erektionsprobleme verhandelt. Der Hörer begegnet einer musikalischen Zwiesprache, die von einer vagen Hoffnung getragen wird, aber immer wieder in düsteren Ecken landet. Endzeitstimmungs-Assoziationen werden von Sehnsuchts-Hymnen abgelöst, Hoffnung steht so selbstverständlich neben Albtraum wie Dream-Pop-Sounds neben Distortion-Effekten. Das raffinierte Zusammenspiel von düsteren Synthies, schillernden Gitarren und forschen Drums mit der betörend entrückten bis samtweich zerbrechlichen Stimme von Elena Tonra sorgt für Songs zwischen dezentem Experiment und polierter Dringlichkeit.

Daughter

Not To Disappear

(4AD/Beggars)