Geigenmusik kann enervierend sein - aber auch süßlich herbeiwehen. Sarah Neufeld grüßt vom Grat der Schwerelosigkeit in beide Schluchten. Nach dem enigmatischen "Never Were The Way She Was" mit dem Jazz-Saxofonisten Colin Stetson aus dem Vorjahr folgt heuer das zweite Soloalbum der Arcade-Fire-Violinistin. Weniger entrückt und minimalistisch als noch "Hero Brother" von 2013, tänzelt sich Neufeld durch leichtfüßige Kompositionen.

Die 1979 geborene Kanadierin hatte bereits mit drei Jahren ihren ersten Geigenunterricht. Um ihr musikalisches Repertoire zu erweitern, bevorzugte sie in ihrer Jugend allerdings die Gitarre. Nach der Schule schrieb sie sich an der Concordia University in Montreal ein, um Jazz und Elek-troakustik zu studieren, wo sie sich auch wieder intensiver der Violine zuwandte. Hier hatte sie auch Gelegenheit, Kontakte mit der Musikszene Montreals zu knüpfen, was zur Gründung des Bell Orchestre und zu einer Zusammenarbeit mit Arcade Fire führte.

Vor einigen Jahren eröffnete Neufeld zusammen mit der Cellistin Rebecca Foon (Esmerine, ehemals auch Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra) eine Filiale des Moksha Yogastudios in Manhattan (Modo Yoga NYC), in welcher sie selbst lehrt.

Die meditativen Techniken außerhalb des musikalischen Betriebs scheinen ihre Perspektive erweitert zu haben. Denn "The Ridge" klingt nun geradezu extrovertiert, verspielt und verschachtelt. Neufelds Stimme, die sie nun vermehrt einsetzt, wandelt sich in ein entferntes Echo der Instrumentierungen, die sich an Béla Bartók und Steve Reich ebenso orientieren wie an dem US-amerikanischen Cellisten und Komponisten Arthur Russell oder der tschechischen Violinistin Iva Bittová.

Bei ihren akustischen Male- reien wird sie von Elektromusiker Tim Hecker, Jeremy Gara (Arcade Fire) am Schlagzeug und abermals Colin Stetson unterstützt. Neufeld ist ein ungewöhnliches Album gelungen, das klassische Musik, Jazzelemente und Popmusik verbindet und dessen magischen Momenten man sich nur schwer entziehen kann.