Ibert und Honegger: L‘Aiglon. Decca, 2 CDs, ca. 30 Euro.
Ibert und Honegger: L‘Aiglon. Decca, 2 CDs, ca. 30 Euro.

Natürlich schaut man zuerst im Booklet der Neuaufnahme von "L‘Aiglon" nach: Welche Teile des Fünfakters hat Arthur Honegger und welche Jacques Ibert komponiert? Zu gut ist die Anekdote im Gedächtnis, dass die beiden Komponisten auf diese Frage geantwortet hatten, einer habe die Kreuz- und einer die b-Noten geschrieben. Ein Handschriftenvergleich suggeriert indessen, dass Ibert die Akte eins und fünf, Honegger zwei und vier und beide abschnittsweise den Mittelakt verfasst haben.

Kann das gutgehen?

Und ob! Die Oper basiert auf dem Drama des "Cyrano de Bergerac"-Dichters Edmond Rostand über den jung verstorbenen Napoléon-Sohn Herzog von Reichstadt, der über seine Mutter dem Haus Habsburg angehörte. Die Musik ist wunderbarer französischer Lyrismus, geschmackvoll in der Melodie und raffiniert in der Harmonik. Den beiden Komponisten gelingt eine erstaunliche stilistische Vereinheitlichung der Sprache. Das Finale ist unglaublich berührend.

Die Aufnahme unter Kent Nagano glänzt in schlackenloser Schönheit und plädiert nachhaltig für ein Werk, das mehr geteilter Geniestreich als Kuriosum ist.

Ibert und Honegger: L‘Aiglon. Decca, 2 CDs, ca. 30 Euro.