Warpaint, das All-Girl-Quartett aus Kalifornien, liebt es scheinbar, mit der Erwartungshaltung des Publikums zu spielen. Während die Band auf ihrem Debüt "The Fool" im Jahr 2010 mit einem dunkel grundierten Mix aus Post-Punk und Psychedelic-Impressionismus überzeugte, überraschte sie auf dem selbstbetitelten Nachfolger vier Jahre später mit atmosphärischen Dream-Pop-Klängen, ohne aber ihre Wurzeln ganz zu verleugnen.

Wer dachte, dass Warpaint den eingeschlagenen musikalischen Weg konsequent weitergehen würden, konnte nur falsch liegen. Auch auf "Heads Up" sucht die Band nun eine neue Herausforderung und unterzieht sich einer Frischzellenkur. Es wäre zwar ein Leichtes gewesen, die ausgetretenen Pfade weiter zu beschreiten und der vorgezeichneten Erfolgsspur treu zu bleiben. Während bisher in psychedelischen Stimmungen und ausladend-narkotisierenden Klanglandschaften geschwelgt wurde, klingen viele der neuen Songs aber heller, heiterer und eingängiger.

Die wandlungsfreudige Band reichert ihren Kosmos hier mit mehr Pop, ein wenig Elektronik und dezentem Disco-Touch an, ohne aber auf den für sie so typischen ätherischen Gesang und die akzentuierten Basslinien zu verzichten. "Heads Up" zeugt vom großen Gestaltungswillen der Band, profitiert von den ausgeklügelten Sounddetails und besticht mit seiner stilsicheren Akzentverschiebung. Das Album gleicht einem musikalischen Flohmarkt - alles ist da, aber man muss mit Geduld und Beharrungsvermögen suchen, um all die verborgenen Schätze auch wirklich zu finden.

So entfaltet sich die Magie mancher Songs erst nach mehreren Hördurchgängen. Sei es der das Bandmotto widerspiegelnde "New Song", der mit Dance-Beats und Disco-Grooves überrascht, der Titelsong mit seinen fiebrigen Rhythmen, "So Good" mit atmosphärisch-dunklen Keyboardflächen oder "Don’t Let Go" mit seinen seriell eingebauten Noise-Schüben.

Auf diesem facettenreich-funkelnden dritten Warpaint-Album gibt es also einiges zu entdecken. Also Kopf hoch und aufgepasst!