Das Schaffen von Conor Oberst stand immer wieder im Schatten seiner zahlreichen Bandprojekte. Mit etwa Bright Eyes, Monsters Of Folk und den Desaparecidos erspielte er sich über die Jahre eine größere Reputation als mit seinen reduzierten, aber gefühlsintensiven Solowerken. Mit dem siebenten Alleingang, "Ruminations", sollte sich dieser Umstand nun endgültig erledigt haben.

Zwar bewegt sich der Singer-Songwriter aus Nebraska mit den zehn eher der dunklen Seite und den grüblerischen Gedanken zugeneigten Songs grundsätzlich ohnehin auf zeitlosem Terrain, beeindruckt aber mit einer ebenso berührenden wie dringlichen musikalischen Umsetzung seiner unverstellten und unverfälschten Introspektion. Die Americana-Institution etabliert ihre traurig-schönen Songs punktgenau dort, wo Verzweiflung und Hoffnung sehr nahe beieinander liegen.

Selbstkritisch, ehrlich und schonungslos, doch das Herz voller Hoffnung hält Conor Oberst nachdenklich Rückschau und bilanziert sein bisheriges Leben. Das Resultat sind einfühlsame Herbstlieder, Lieder des Übergangs und des Innehaltens. Die große Kunst des 36-Jährigen besteht darin, aus noch so traurigen und schwierigen Themen einen Funken Glück herauszuschlagen. Ein Klavier, die zeitweilig zum Einsatz kommende Mundharmonika und seine brüchige Stimme genügen Oberst, um seine atmosphärisch dichten Geschichten über Sehnsüchte, Enttäuschungen und meist dunkle Vergangenheiten zu erzählen. Produziert und abgemischt von Mike Mogis und Ben Brodin, bieten die spartanischen Arrangements den Songs genug Raum, um ihre lyrische Kraft zu entfalten.

Das klingt melancholisch, abgeklärt, ergriffen, authentisch, charmant, wehmütig, existenziell und lädt den Hörer nicht gerade zum heiteren Jubilieren ein - es verhilft ihm aber zu mehr als ein paar musikalischen Augenblicken großer Intimität und Unmittelbarkeit. Beispielhaft nachzuhören auf "Next Of Kin", einer nachdenklichen Rückschau mit dem abschließenden Fazit: "But I made my way back home."