"Nennen wir’s lieber Grazerlied" meinte vor einiger Zeit der steirische Musiker Thomas Petrisch im "Wiener Zeitung"-Interview auf die Frage, ob er in seinem Dialekt-Projekt Granada einen Bezug zum Wienerlied sehen könne/
wolle.

Ja, die Steiermark macht musikalisch mobil. Auch wenn es im gegenständlichen Fall doch Wiener sind, die ihr ein tönendes Denkmal setzen: Im Auftrag des "Steirischen Herbst" besingen Nino Mandl alias Der Nino aus Wien und die Sängerin, Designerin, Illustratorin und Autorin Natalie Ofenböck die "Grüne Mark". "Das grüne Album" heißt denn auch, in ironischer Anspielung auf berühmte inoffizielle LP-Titel (wie jene des sogenannten White Album der Beatles oder Metallicas "Black Album"), die Platte, die sie dabei aus der Taufe gehoben haben. Begleitet wird sie übrigens von einem gleichnamigen Buch, in dem Ofenböck die Texte durch Zeichnungen veranschaulicht.

Mandl und Ofenböck, die bereits auch ihre Arbeit in der Band Krixi, Kraxi und die Kroxn verbindet, haben sich ausgiebig in der Steiermark umgeschaut und mit regionalen Musikern verstärkt. Das Ergebnis ist so vielfältig wie die steirische Topografie: Gebieterisch brummt die Tuba ihr tiefes Humptata, die Harmonika ruft zur Polka, unvermittelt brausen E-Gitarren auf - und nicht selten passiert das alles in ein- und demselben Song.

Kontrastiert wird das aufgeweckte Gepolter von gleichermaßen gefühls- wie alkoholseligen Passagen, die eine Seelenverwandtschaft von Landler und Wienerlied im Geiste des Blues suggerieren. Dazu gibt es zwei Popsongs, die bei allen Engeln der Gerechtigkeit Hits sein müssten: "Der Bürgermeister" und insbesondere das entzückende "Klapotetz". Thematisch nähern sich Ofenböck und Mandl dem wilden fremden Land, wo "da Süden nur hinter di Bam" liegt, durchaus mit Respekt - wenn auch oft mit kleinem Schalk im Nacken:

Zur Konditorei mit ihren Gerüchen von "Zucker, Rum, Ruhm und Rauch" gehören eben auch klebrige Hände, Zucker-verpickte Lippen und Kuchenreste, die man den ganzen Tag auf der Kleidung mit sich herumträgt.