Mittelkill, das ist aktuell im Wesentlichen der Berliner Musiker Friedrich Greiling, der mit "Die montierte Gesellschaft" sein nunmehr viertes Album vorlegt. Wer die ersten drei Platten des Projekts kennt, darf ein wenig staunen ob der Neugier, mit der Mittekill nun ein ganz neues Territo- rium für sich erobert, ohne die Verwurzelung im elektronischen Klangfundament aufzugeben.

"Unknown genre" sagt jedenfalls die Musikbibliothekssoftware auf dem Laptop, und besser kann man das, was sich hier stilistisch tut, auch wirklich nicht fassen.

Eklektizismus ist Trumpf, und das Ganze des Albums eine bemerkenswerte Montage zunächst nicht zusammenpassender Teile. "Meine neue Platte hat keinen Hit", rappt Greiling in Voll-Ironie-Modus auf "Antiwachs", womit er wohl auf seinen veritablen Clubhit "Wasser oder Wodka" von "You Are Home" (2009) anspielt, um dann "gediegen" fortzuflowen.

Auf dem Instrumental "Otok" ziept und fiept es, die Transistoren laufen warm und der Soundchip blubbert, während ein synthetisches Klavier in Roedelius-Ambient-Manier eine zauberhafte Melodie auf Platte bannt.

"Personal Manager" wiederum klingt wie Kompakt-Schlagerstar Justus Köhncke auf Schunkel-Techno. Trotz aller Versatzstück-Kombiniererei durchzieht doch ein ernstes Thema dieses postmoderne Pastiche-Spiel mit Stilen und Genres, nämlich die Flüchtlingsthematik und die Willkommenskultur.

Die 13 Stücke entstanden nämlich im Kontext von Greilings künstlerischen Projekten, die oftmals eine Arbeit mit jener Sorte von Immigranten waren, die man in Europa nicht haben will, weil sie keinen sofortigen finanziellen Gewinn bringen, sondern vielmehr Geld kosten - was den Meisten aber den Preis für eine Begegnung mit anderen Kulturen und Perspektiven bekanntlich nicht wert ist.

Mittekills künstlerische Antwort darauf ist die Integration der unterschiedlichsten Beiträge von Flüchtlingen, denen Greiling begegnet ist, auf diesem Album. Und dies ohne erhobenen Zeigefinger oder wohlmeinendes "Gutmenschentum".