Die 13-jährige Rebekka und die gleichaltrige Samira sind beste Freundinnen. Und den beiden Berliner Teenagern ist dabei völlig egal, dass die eine Jüdin ist und die andere Muslima - bis plötzlich der alte Kidduschbecher, ein Erbstück aus Vor-Holocaust-Zeiten, aus der Wohnzimmervitrine von Rebekkas Eltern verschwindet und Samira von diesen verdächtigt wird, ihn gestohlen zu haben. Doch sie hat tatsächlich nichts damit zu tun, sondern Rebekkas kleiner Bruder Moritz hat sich gehörig in die Scheiße geritten, um es mit ihrer Berliner Schnauze zu formulieren. Und so überwinden die beiden besten Freundinnen ihren aufgekeimten religiösen Streit und machen sich gemeinsam daran, den Becher zurückzuholen - weil die Religion bei einer Freundschaft eben wirklich keine Rolle spielen darf . . .

Eva Lezzis neuer Großstadt-Roman ist ein eindringlicher Appell an alle Seiten, über den eigenen Schatten zu springen und den anderen als das zu sehen, was er ist: nicht als religiösen Feind, sondern als Menschen oder womöglich gar als Freund. Ihre Jugendlichen machen es vor, auch wenn die familiären Umstände auf beiden Seiten als schwierig gezeichnet werden. Denn die Geschichte spielt im Sommer 2014, als im Nahen Osten die sogenannte dritte Intifada auch im Westen die Stimmung unter den dortigen Angehörigen von Israelis und Palästinensern anheizte. Und sie macht Hoffnung, dass was im Kleinen funktioniert, eines Tages doch auch im Großen ein gutes Ende finden könnte.

Eva Lezzi: Die Jagd nach dem Kidduschbecher
Hentrich & Hentrich; 124 Seiten; ab 12 Jahren; 11,90 Euro