Vom italienischen Kriminologen Cesare Lombroso (1835-1909) stammt die lange schon überholte These, dass künstlerische Genialität nur eine von mehreren Formen des Irrsinns sei. Betrachtet man das Gesamtwerk der Flaming Lips, muss man sich fragen, ob Lombroso nicht doch Recht hatte.

Aus den chaotischen Urgründen eines wilden Garagen-Psychedelic aufsteigend, erreichte die Band um den exzentrischen Sänger Wayne Coyne zur Jahrtausendwende mit Meilensteinen wie "The Soft Bulletin" (1999) und "Yoshimi Battles The Pink Robots" (2002) Höhepunkte popmusikalischer Genialität. Von diesen Gipfelpunkten ging es dann allerdings hinab in die Irrungen und Wirrungen von überflüssigen Tribute-Alben, Kollaborationen mit Underground-Künstlern einerseits und Miley Cyrus andererseits, woraus das 23 Stücke umfassende Album "Miley Cyrus & Her Dead Petz" (2015) entstand.

Ansonsten veröffentlichte man Musik in Form eines in einem Zuckerguss-Totenschädel versteckten USB-Sticks oder schrieb überflüssige Instrumentalalben wie "Imagene Peise: Atlas Eets Christmas" (2007). Kurzum: Quantität statt Qualität.

Zwischen all diesem Wahnsinn kamen zwar auch immer wieder "normale" Alben heraus - wie etwa "Embryonic" (2009) oder zuletzt "The Terror" (2013) -, die aber schlichtweg nicht an frühere Platten herankamen, weil die Flaming Lips ihr Talent an Nebenprojekte verschleuderten. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt: Mit "Oczy Mlody" (polnisch für: Augen der Jugend) erscheint am 13. Jänner, dem Geburtstag von Frontman Coyne, ein neues, wieder konventionellere Bahnen beschreitendes Album.

Es ist ein schönes, abwechslungsreiches Werk geworden, mit Songs von insistierender Ruhe wie "The Castle" oder einem bombastischen Kracher wie "We A Family"; dazwischen die experimentelle Soundlandschaft "Galaxy I Sink" oder der Nahezu-Hit "Sunrise (Eyes Of The Young)".

Wieder einmal sind die Flaming Lips fast so gut wie in früheren Zeiten, doch solch geniale Songs wie "Do You Realize??" oder "Raze For The Prize" fehlen leider erneut.