Es tönen die Lieder, der Frühling kehrt wieder. Auch durch den Anfang dieses Albums weht seine milde Brise. Es brummelt der Kontrabass, es zwitschert die Jazz-Gitarre, und die Frau mit der hellsanften Stimme besingt all die Menschen mit den "Herzchen in den Augen". Doch dann fährt sie dem Lenz mit dem Allerwertesten ins Gesicht: "Ich scheiß da drauf, der Frühling kann mich mal."

Ganz so ungezogen geht es auf diesem Album zwar nicht weiter. Iris T. (mit bürgerlichem Namen: Träutner) reicht aber auch danach gern rosige Klänge mit dornigen Spitzen. Die Jazz-Chansons der Wienerin schöpfen aus dem Erfahrungsschatz einer Frau, die des langen Ausgehens müde geworden ist und darum auch einmal ein Jungstehaufmännchen zurückweist, die das Strohfeuer der Amour fou ebenso kennt wie die quälende Langsamkeit einer Entfremdung, die aber immer noch zu Frivol-Kommandos fähig ist wie "Mach Platz auf deinem Schoß". Stimmt zwar: Das Niveau der Texte senkt sich mitunter aufs Alltäglich-Vorhersehbare. Aber auch da blitzen noch Pointen auf, und der Jazz im Klangbild ist nicht nur ein netter Farbklecks: In deutschen Worten und feinen Kammer-Arrangements wärmen Klassiker wie "Cry Me A River" das Herz. Und mit Stephan Remmlers "Keine Sterne in Athen" lebt eine 80er-Erinnerung neu auf.