Beide haben ihre Stammformationen, und beide haben sich für ihr nunmehriges Solowerk viel Zeit gelassen. Beim Niederländer Kim Janssen, Teil der Folkgruppe Black Atlantic, waren es drei Jahre, während der er in verschiedenen, weltweit verstreuten Studios Fragmente einspielte, die nun zu seinem neuen Album, "Cousins", zusammengefügt wurden. Und trotz dieser Intarsien ist es eine Platte wie aus einem Guss geworden.

Janssen, der in Asien aufwuchs, erzählt in teils tiefen, teils kopfstimmig hohen Lagen von Erlebnissen in kleinen Himalaya-Dörfern oder von den flirrenden Großstadtlichtern Bangkoks. Seine zarten vokalen Beiträge werden dabei in ein kräftiges, ausdrucksstark arrangiertes Umfeld eingebettet.

Dezente Streicher, polyrhythmische Percussions und mehrlagig geschichtete Gesänge geben diesen autobiografischen Liedern eine Breite und Tiefe, ohne sie dabei ungebührlich zu überdehnen. Dass dies so stimmig und geschmackssicher gelingt, liegt auch an einer Riege international erfahrener Beiträger, die bei diesem Album mit Hand angelegt haben, wie etwa Marla Hansen (Sufjan Stevens, The National), Eirìkur Orri Ólafsson (Sigur Rós) und Tonmixer Chris Coady (Beach House, Future Islands).

Damit klingen Referenzen an, die man - geht es um weitere musikalische Verwandtschaften - jedenfalls um die Kanadier Patrick Watson und Aidan Knight ergänzen kann. Der US-Crooner Bill Callahan hingegen, an welchen Janssens gelegentlicher Bassbariton manche erinnert, muss einem nicht zwingend dazu einfallen. "Ein kleines, warmherziges Wunderwerk" hat ein Onlinemagazin Janssens EP "The Lonely Mountains" (2013) genannt - und das gilt erst recht für "Cousins", diesen Wonnebrocken von einem Album.

Mehr als sein halbes Leben, nämlich gut 15 Jahre, hat der Schwede Joel Wästberg, der unter dem Namen sir Was firmiert und Schlagzeuger des Trios Junip ist, klangliche Versatzstücke zusammengetragen, die er nun zu seinem ersten Album, "Digging A Tunnel", vereint hat. Und dieses Soundpuzzle in zehn Teilen ist auch eine veritable Wundertüte geworden, bestehend aus vertrackten, leicht verhatschten Beats, liegen gebliebenen Akkorden, auffahrenden Gangsterfilmfanfaren, Jazzfetzen, blubbernden Sumpfbluesblasen, Hörspielpoesie und einem dünnen, ausgefransten Gesangsschleier darüber. "Scandinavian Weirdness" oder "Psychedelic Urban Lo-Fi Folk" werden als Genrebezeichnungen dafür vorgeschlagen. Passt alles - und auch wieder nicht. Herrlich verrückt ist das Ganze aber auf jeden Fall.