Ein entspannter Rhythmus, insistierende Drums, vor allem aber ein zwingender Beat, den man einstmals auf den Namen "Motorik" getauft hat: das ist "Boots", der erste Track auf Kreidlers neuem Album. Oder nehmen wir "Coulées", zunächst kaum mehr denn ein monotones Schaben merkwürdiger Sounds, über die sich dann die unterschiedlichsten Klangspielereien aufschichten, um so zu einem stampfenden Postrock-Geschöpf zu werden, das sich quasi aus der Rückenlage aufrichtet, um sich in den Gehirnwindungen des Hörers festzukrallen.

Wer die großartigen Kreidler kennt, weiß ohnehin, dass qualitative Verlässlichkeit eines ihrer Kennzeichen ist. Auch "European Song" ist da kein Deut anders: Bereits im letzten Jahr aufgenommen, hat das Quartett aus Düsseldorf es angesichts der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten erst einmal zurückgestellt, um die Wut über den weltweiten Rechtsruck der Politik zu kanalisieren. Und gut so: Der einzige Protest, den man mit Musik machen kann, ist das Unerhörte hörbar zu machen. So wie hier.