Die 1986 gegründeten Afghan Whigs veröffentlichen mit "In Spades" ihr achtes Album. Das Nachfolgewerk ihres 2014 nach sechzehn Jahren Pause erschienenen Comebacks "Do To The Beast" belegt ein weiteres Mal die originäre Größe dieser US-Band. Greg Dulli, der charismatische Frontmann und seine Mitstreiter überzeugen bis heute mit ihrem typischen Sound. Die unverwechselbare musikalische Liaison aus Alternative Rock, sehr viel Soul und einer Prise Blues hat mittlerweile schon länger Bestand als der Großteil der in den letzten drei Jahrzehnten geschlossenen Ehen.

Des Lebens Versprechungen und Enttäuschungen stehen im Mittelpunkt von "In Spades", und Greg Dulli lässt seinem Gesang ein Pathos angedeihen, das so manchem Prediger gut anstehen würde. Dulli greint, schmachtet, fleht, wispert und schreit, dass es eine Freude ist, schafft den Balanceakt zwischen exaltiertem Manierismus und intensiver Selbstentäußerung mit Eleganz und Grandezza und haucht seiner Musik auf diese Art "Realness" ein.

Als ausgewiesener Chronist des Leidens kennt er die Schattenseiten des Daseins wie kaum ein Zweiter. Liebe, Sex, Sucht und Tod bilden das Zentrum seiner Songs - sein Antrieb ist und bleibt aber die (noch verbliebene) Hoffnung. Seine Anfälligkeit für Theatralik gesteht Dulli gerne ein, nicht umsonst gilt er als Meister im Spiel auf der Gefühlsskala. "In Spades" überzeugt mit einer Mischung aus eingängigen Melodien, markanten Hooklines und wuchtigen Riffs. Damit führen die Afghan Whigs vor, wie man Rock und Soul ebenso vermählt wie Leiden und Schönheit.

Für die Produktion ließ Dulli alles auffahren, was man für die große musikalische Geste braucht: Streicher, Bläser, Klavier und einen Chor. Im Zentrum bleiben aber die zwischen Sanftheit und Bedrohlichkeit changierende Stimme des Chefs und der melodramatisch anschwellende Sound seiner Band. Mit Songs wie "Arabian Heights", "Demon In Profile" oder "Oriole" erteilen die Afghan Whigs eine Lektion darin, wie man solche Melodramatik gut genießbar macht.