Für Political Correctness, so US-Präsident Trump, habe er "keine Zeit". Damit bricht er die Regeln für anständiges Benehmen, für Anstand gegenüber der Gesellschaft. Dazu kommt seine immer wieder gezeigte Eigenschaft, sich mit inhaltlichen Themen "nur oberflächlich" abzugeben und Probleme recht schnell als gelöst oder nicht vorhanden abzutun. Viele Menschen in den USA und vor allem in Europa hat dieses Verhalten Trumps mehr als irritiert - auch und besonders Hugo Portisch. Selbst wenn einige Menschen, die Trump nahestehen, versuchen, ihn zu verteidigen, indem sie "erklären", dass er hinter den Kulissen viel besonnener agieren würde als zuvor im Scheinwerferlicht, so sieht ihn Portisch höchst kritisch.

Die jahrzehntelangen Grundkonstanten euroatlantischer Stabilität scheinen unter Trump nicht mehr zu gelten. Auch wenn sein Verteidigungsminister ein klares Bekenntnis zur Nato abgegeben hat, so klingen Trumps kritische Worte zum westlichen Verteidigungsbündnis im Wahlkampf noch weiter nach. Hingegen will Trump dem russischen Präsidenten Wladimir Putin auf Augenhöhe begegnen, um die Weltprobleme zu lösen. Zu China deutet sich in der Ära Trump ein signifikant härterer Kurs Washingtons an. Seine kritische Haltung zur EU widerspiegelt sich in der Begrüßung der Brexit-Entscheidung in Großbritannien, wobei er den Briten bereits ein eigenes Handelsabkommen in Aussicht gestellt hat. Dies alles sollte für die Europäer, so Portisch, kein Grund für Wehklagen sein, sondern ein Weckruf, die Lösung der eigenen Probleme endlich selbst in die Hand zu nehmen.

SACHBUCH

Leben mit Trump

Hugo Portisch

Ecowin, 80 Seiten, 20 Euro