Cleo Tucker an der Gitarre und Harmony Tividad am Bass bilden zusammen Girlpool. Das kauzige Folkpunk-Duo aus Los Angeles erfreute auf einer selbstbetitelten EP und auf dem Debütalbum "Before The World Was Big" (2015) mit einem minimalistischen Sound zwischen windschiefem Duettgesang und verschroben-offenherzigen Texten über das Jungsein. In entwaffnend-unverstellten Songminiaturen ohne Schlagzeug vertonte die Band die aufregenden Jahre des Erwachsenwerdens.

Ohne Ironie und Zynismus zelebrierten Girlpool die Coming-of-Age-Zeit, berichteten aus der weiblichen Perspektive von süßer Unschuld und heilloser Überforderung, litten unter verfehlten Lebensentwürfen und erfreuten sich an diversen Verrücktheiten. Das klang unschuldig, wild, unausgegoren, naiv und trotzig und versprühte den Reiz des Dilettantischen.

2017, die zwei Musikerinnen sind inzwischen 20 und 21 Jahre alt, lassen Girlpool das zweite Album folgen und bleiben ihrem Kernthema treu: der Zeit des Erwachsenwerdens, einer Zeit voller Romantik, Existenzängste, Missverständnisse und Peinlichkeiten - sowie dem Wechselspiel der Gefühle zwischen Aussichtslosigkeit und Aufbruchsstimmung.

Punk, Folk, College-, Grunge- und Indierock dienen als Grundlage für einen Sound, dem es vielleicht ein wenig an Virtuosität und Finesse fehlt, der aber dafür mit Authentizität, Dringlichkeit und einem charmanten Willen zur Subversion zu überzeugen vermag. Neu dabei ist diesmal Miles Wintner an den Drums, unter dessen Mitwirkung das Wechselspiel zwischen bedächtig und rasant, leise und laut, lieblich und wild noch besser gelingt.

Das Spektrum umfasst die an die Breeders erinnernden Songs "123" und "Corner Store", ein gelungenes Emopop-Pastiche ("Your Heart"), "Sleepless" mit verwaschenem Shoegaze-Touch, "She Goes By" mit Britpop-Anmutung.

In nur knapp dreißig Minuten erweisen sich die zwei US-Girls mit widerborstigem Charme und ohne falsche Scham als eine der spannendsten neuen Indierock-Bands.