Unkaputtbar, so zeigt "Unkapitulierbar", sind offenkundig die Burschen von Der Plan, die nun ihre erste Platte in Originalbesetzung vorlegen, seit die drei Helden des deutschen New Wave 1993 auseinandergingen. Das formidable Coverbild stammt von Bandmitglied Moritz R. und ist eine Parodie auf das berühmte Delacroix-Gemälde über die Barrikadenkämpfe während der Julirevolution von 1830: Es zeigt nun das Brüsseler Atomium im Hintergrund, während Moritz R., eine Europafahne schwenkend, die Stelle der barbusigen Marianne einnimmt, dabei flankiert von seinen Kollegen Frank Fenstermacher und Kurt Dahlke a.k.a. Pyrolator.

Mit Entschlossenheit führt das Trio sein Volk der Hörer so der Idee musikalischer Freiheit entgegen, für welche die Band von Beginn an einstand. Denn die Flaggen der USA und Großbritanniens, über die Der Plan kurzerhand trampelt, sind offenkundig nicht nur aktuelle Anspielungen auf Trump und Brexit, sondern stehen symbolisch für die popmusikalische Hegemonie Angloamerikas. Insofern liefert die Frage "Was kostet der Austritt?" einen herrlich-ironischen Kommentar zum Brexit: "Wieviel muss ich zahlen / Wann enden die Qualen?"

"Unkapitulierbar" ist ein popmusikalisches Kaleidoskop voller Highlights und Überraschungen, und dies in einem abwechslungsreichen Querschnitt aller möglichen Stile und Genres, unterfüttert von den Plan-typischen Texten zwischen Kinderreim und Dada-Poesie. In "Man leidet herrlich" grooved und dubbed es erstklassig, während der kitschige Text das Stück zu einem schmierig-eleganten Schlager hinbiegt, wie das so elegant sonst nur Justus Köhncke schafft.

Auf "Es heißt: die Sonne" doziert Fenstermacher, unterlegt von einer bezaubernden Melodie - schöner, verspielter Indie-Pop, wie ihn Grizzly Bear auch nicht besser hinbekommen. Das kurze Instrumental "Zu Besuch bei N. Senada" wiederum ist eine verklausulierte Hommage an die Residents und "Der Herbst" ein Ohrwurm, der es sich bei abenteuerlustigen Hörern noch lange gemütlich machen wird. So wie das ganze Album.