Berlin. "In diesem Buch lernen Kinder, wie sie Gulags einrichten, Satan anbeten und die westliche Zivilisation zerstören können – und all das für nur 12 Dollar und 95 Cent!" scherzt die "New York Times" (NYT). Doch die NYT-Rezension liegt trotz satirischer Spitzen nahe an der Realität.

User fordern die Verbrennung des Buches

Andere US-Medien, darunter das rechtsaußen-Medium "Breitbart" oder das liberalere "The Daily Beast", zerfleischen das Buch der Berliner Autorin Bini Adamczak regelrecht: "Die pure Existenz dieses Buches beweist, dass Marxisten noch nicht erkannt haben, dass ihre Ideologie zu nichts als Verderben führt", schreibt ein "Breitbart"-Autor. In tausenden Onlinekommentaren und fast 150 negativen Rezensionen wird der Autorin Indoktrination, Verharmlosung und Propaganda vorgeworfen. In sozialen Netzwerken wie Twitter forderten Nutzer das Verbot und gar die Verbrennung des Buches.

Übersetzung beim renommierten MIT-Verlag

Ein Bild aus 1968 mit Arbeiterinnen und Arbeitern.  - © Flickr Creative Commons, Thomas Fisher Rare Book Library, University of Toronto
Ein Bild aus 1968 mit Arbeiterinnen und Arbeitern.  - © Flickr Creative Commons, Thomas Fisher Rare Book Library, University of Toronto

Viele der Hass-Poster, aber auch der Journalistinnen und Journalisten, haben da etwas missverstanden: Das Buch ist keine Propaganda, sondern eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und Zukunft des Kommunismus. Hätten sie das Buch gelesen, wüssten sie, dass in diesem in einfacher Sprache erklärt wird, was Kommunismus ist, was er sein könnte, und warum man ihn neu erfinden sollte. Gleich zu Beginn beschreibt die Autorin, warum der Wurzel des Übels im Kapitalismus liegt – aber das wollen die Rezensentinnen und Rezensenten, die wohl zum Großteil der Alt Right zuzuordnen sind, wahrscheinlich auch nicht hören.

Als das 112 Seiten fassende Büchlein 2004 auf Deutsch erschienen ist, wurde kaum Aufhebens darum gemacht. Doch als im April 2017 die englische Übersetzung mit dem Titel "Communism for Kids" auf den Markt kam, noch dazu bei MIT Press, dem renommierten Verlag der Elite-Uni Massachusetts Institute of Technology (MIT), war die Empörung groß.

"Kommunismus für Dummies" trifft es eher

Zum einen war es der Titel "Communism for Kids", der die amerikanische Alt Right auf die Barrikaden brachte. Und dieser führt tatsächlich in die Irre: auf Deutsch heißt das Buch ja auch nicht "Kommunismus für Kinder" sondern "Kommunismus: Kleine Geschichte, wie endlich alles anders wird". Angesichts der einfachen Sprache und Erklärungen, welche Theorie auch Leserinnen und Lesern ohne Hintergrundwissen der Ökonomie oder politischen Theorie näherbringt, hätte es "Kommunismus für Dummies" vielleicht eher getroffen.