Katie "Waxahatchee" Crutchfield erkundete drei Alben lang die weitläufige musikalische Landschaft des Folkrock. Mit "Ivy Tripp" und dessen wundersam-verschrobenen Deutung des Genres schien die US-Singer/Songwriterin vor zwei Jahren angekommen zu sein. Weit gefehlt. Auf "Out In The Storm" verordnet sie sich aktuell ein erfrischendes Sound-Update und Produzent John Agnello (Sonic Youth, Dinosaur Jr., Kurt Vile) verschiebt die Akzente. Auf seinen Vorschlag hin wurde das gesamte Album live eingespielt, um den kraftvollen Sound der Band besser zur Geltung zu bringen.

Der druckvolle Gitarrenklang überzeugt ebenso wie die prägnanten Hooklines und die unverwechselbare, grelle Stimme von Katie Crutchfield, die ihre eigene Magie entfaltet. "Out In The Storm" überzeugt nicht nur als musikalisches Statement der weiblichen Selbstermächtigung, sondern beeindruckt mit einem selbstbewussten Eklektizismus, der weder dem gerade Angesagten hinterherhechelt noch sich in der Kopie von Bekanntem erschöpft.

Das Wechselspiel aus Melodie und Rhythmus funktioniert hervorragend, die Laut-und-leise-Dynamik sorgt für Abwechslung, und mit der stimmigen Verknüpfung von breitbeinigem Indierock und schimmernder Pop-Eleganz gelingt Waxahatchee so etwas wie die Quadratur des Kreises. Das Album enthält schmissige Mitsing-Refrains im Bangles-Stil, um dann wieder mit brüchig-verträumtem Folkrock zu überraschen.

Die Songtexte sind stark autobiografisch gefärbt, erzählen letztlich aber auf allgemeingültige Art vom Glück und Leid des Daseins, von den kleinen Hoffnungsschimmern und fragilen Glücksmomenten und von der rauen Wirklichkeit, die immer wieder dazwischenfunkt. Unterstützt wird Crutchfield diesmal von Zwillingsschwester Allison (Keyboard & Percussion), Katherine Simonetti (Bass), Ashley Arnwine (Drums) und Katie Harkin (u.a. Lead-Gitarre). Besonders gelungen sind "Silver" und "Never Been Wrong" mit ihrer großen Pop-Affinität, das schroffe "No Question" und "Sparks Fly" und "A Little More" im geschmeidigen Americana-Sound.