Mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten wurde der Populismus zum Faktor der Weltpolitik. Auch in Europa ist der Populismus ein Faktor. Der vom britischen Populismus angestoßene Brexit etwa stellt eine historische Weichenstellung dar. Ist der Populismus ein vorübergehender Sturm im Wasserglas oder mehr? Was bleibt von jenem liberalen, weltoffenen, auf Demokratie und Menschenrechte setzenden Westen über, der, bei all seinen Widersprüchen und Problemen, doch lange ein hochattraktives Modell war?

Brennende Fragen, auf die der Philosoph Reinhard Olschanski in seinem hochaktuellen Buch "Der Wille zum Feind" Antwort geben möchte. Er untersucht den Populismus dort, wo er ganz bei sich ist - in der populistischen Rede. Hier entsteht eine besondere rhetorische Verbindung zwischen Redner, Publikum und Redegegenstand, in der es nicht um Problemlösung und sachliche Erörterung geht.

Konstruierte Feindbilder

Populisten neigen nicht nur in Wahlkämpfen zum "postfaktischen" Sprechen. Populismus ist primär Performance. Populistische Rede ist Feindbildkonstruktion, hält der Autor fest. Der Spuk des Populismus kommt nicht aus dem Nichts. Er wird sich nur dann wieder verziehen, wenn Politik, Medien und Zivilgesellschaft seine Ursachen und Bedingungen erkennen, ernst nehmen und engagiert bekämpfen. Es braucht unbedingt ein tieferes Verständnis des Populismus, um einen Weg aus der Krise zu finden, in die die kritische Gegenrede durch populistische Strömungen geraten ist.