Die Welt ist ein trauriger Ort. "Who turned out the sun?", singt Dan Boeckner demgemäß in "Artificial Life" über die künstliche Nacht, in welcher virtuelle Paradiese und Konsumwahn die Realität dominieren. Die Verachtung gegenüber dem Souverän und die damit in Zusammenhang stehende Enttäuschung über die gegenwärtige Politik spitzt sich in "King Of Piss And Paper" zu. Es ist zum Heulen: "Cry Cry Cry".

Wolf Parade brachten sich bereits im letzten Jahr mit ihrer "EP 4" nach sechsjähriger Pause wieder in Erinnerung. Jetzt legen Spencer Krug und Boeckner zusammen mit Dante DeCaro und Arlen Thompson ihr mittlerweile viertes, von John Goodmanson (Blonde Redhead, Sleater-Kinney) produziertes Album vor. Die Musik der Kanadier hatte stets etwas unverschämt Verspieltes, als hätte man ein Kind beim freudvollen Verwüsten seines Zimmers erwischt, nun jedoch mischen sich vermehrt auch graue Schattierungen in die Komposi-tionen.

Wenn Krug seines Landsmanns Leonard Cohen, der am 7. November 2016 - also einen Tag vor der indirekten Wahl Donald Trumps zum 45. US-Präsidenten - verstarb, in einem von David Bowie inspirierten Stück gedenkt ("Valley Boy"), so kann man die Zeile "Did you know that it was all gonna go wrong?" kaum anders denn als Anspielung auf die politischen Verhältnisse verstehen. Dass insbesondere Krug dem "Thin White Duke" viel zu verdanken hat, wird auch mit "Lazarus Online" unterstrichen, in welchem mit den Worten "Let’s fight / Let’s rage against the night" gegen den Tod protestiert wird.

Wolf Parade ist gerade wegen der Hinwendung zu Moll mit wenigen Ausnahmen ein kleines Meisterwerk gelungen. Dabei sind die Songs alles andere als getragen. Selbst in "Files On The Sun", das wie eine Ballade aus den 50er Jahren beginnt, werden die Ins-trumente wie Spielzeuge übereinander gestapelt, und in "Baby Blue" durchkreuzen billige Orgelklänge jegliche Dramatik. Wer den Sommer zeitlos verlängern möchte, ist bei "Cry Cry Cry" wunderbar aufgehoben - was im Übrigen auch für alle anderen Alben der Band gilt.