"die bäume greifen aus ins feld" (Kirstin Breitenfellner). - © Jugoslav Vlahovic
"die bäume greifen aus ins feld" (Kirstin Breitenfellner). - © Jugoslav Vlahovic

Der Wiener Dichter Manfred Chobot ist heuer siebzig Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass hat Beppo Beyerl einen Querschnitt aus dem umfangreichen lyrischen Werk seines Freundes und Autorenkollegen Chobot zusammen gestellt. Unter dem (hoffentlich) bewusst abgegriffenen Titel "Nur Fliegen ist schöner" (Löcker Verlag Wien) findet man hier Gereimtes und Ungereimtes, Dialektales und Dialektisches.

Wie der Herausgeber erklärt, hat er einfach die Gedichte ausgesucht, die ihm am besten gefallen haben. Der Verfasser dieser Rezension nimmt sich an Beyerl ein Beispiel und verlässt sich ebenfalls nur auf seinen eigenen Geschmack. Sechs neue österreichische Gedichtbände hat er angeschaut, hier stellt er seine Lieblingsgedichte daraus vor.

Eine ironische Ode

Es gab einmal Zeiten, in denen Oden und Balladen heroische Heldentaten und leidvolle Opfergänge besangen. Aber das Oden-Pathos hat sich überlebt. Wenn ein heutiger Dichter eine Ode schreibt, ist sie vermutlich nicht ganz ernst gemeint, selbst wenn es sich wie bei Chobot um eine "mitleids-ode" handelt:

ich bedaure die schrauben
der brücken
denen keine ruhe vergönnt ist

mein mitleid den bolzen
die niemals rasten

allemal lasten tragen
den stützen und stelen

von balkonen
die keine pause erfahren

mein gefühl gebührt
dem holz und dem beton

selbst für ziegel und zement
verschwende ich

meine gedanken und
für die nimmer matten

dach- und deckenlatten

Hier wird eine witzige Idee gekonnt in Szene gesetzt. Binnenreime ("rasten-lasten"), Assonanzen ("gefühl gebührt"), schließlich der veritable Endreim am Schluss ("matten" - "latten") tragen zum lyrischen Vergnügen bei.

Gute Lyrik kann also ironisch sein, aber sie muss es nicht. Die Verse des Bandes "Funken. Klagen" (Verlag Bibliothek der Provinz, Weitra) von Dine Petrik sind zum Beispiel fragile Gebilde. Klein und leise treten sie auf, ihre Titel stehen in Klammern, als ob sie nicht so wichtig sein wollten.