Ein Wiener Arzt kommt nach monatelangem Auslandsaufenthalt zurück - und seine Welt bricht zusammen. Statt sein Kind in dei Arme zu schließen, dessen Geburt er während des Einsatzes für Ärzte ohne Grenzen in einem syrischen Flüchtlingslager in der Türkei versäumt hat, muss er sich nämlich auf die Suche nach seiner Frau und dem Neugeborenen machen, die spurlos verschwunden sind. Gleichzeitig sucht ein alter Studienkollege von ihm den Vater des Kindes seiner Schwester, die nach einem Wohnungsbrand im Koma liegt.

Beide Suchen führen irgendwann in den Sumpf der Fitness-Mafia und deren kriminelle Machenschaften mit Youtube-Testimonials. Und weil eines der beiden betroffenen Kinder schwerstbehindert ist, taucht Autor Johannes Epple gleich in ein zweites schwieriges Feld ein. Das Ganze in Form von 17 Versatzstücken, die im Roman (der durchaus als Thriller bezeichnet werden kann) als von einem Blogger hochgeladene Word-Dokumente daherkommen und den Leser in ihrer Bruchstückhaftigkeit zunächst ganz schön fordern. Nach und nach fügen sich allerdings die Puzzlesteine zu einem großen Ganzen zusammen und ergeben ein Gesamtbild, das einem gefallen mag oder nicht. Eindrucksvoll (oder eher bedrückend) ist es allemal.

Johannes Epple: Kalte Sonne
320 Seiten, 16,90 Euro