Der russische Pianist Evgeny Kissin hat einige Steckenpferde. Dazu zählen - neben seiner literarischen Produktion und der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Shakespeare - Aufführungen von Kammermusik. In diesen Ensembleprogrammen präsentiert Kissin eine Auswahl seiner Lieblingsstücke, interpretiert mit alternierenden musikalischen Partnern. Termine in Deutschland, Österreich und den USA absolviert Kissin mit dem Emerson String Quartet.

Im Wiener Musikverein wechselten sich- wie bei den Emersons üblich - Eugene Drucker und Philip Setzer am Ersten Pult ab. Setzer führte Mozarts g-Moll Klavierquartett KV 478 an. Das Stück erwies sich als akustisch heikel. Kissin deutete das Werk ernsthaft und bedeutungsvoll. Da hatten es die feinen Linien der Streicher in der für Kammermusik etwas wattigen Akustik des Großen Saales schwer, sich gegen den Klang des modernen Konzertflügels durchzusetzen. Wie ein Rennpferd vor einer feingliedrigen Droschke zog Kissin die Tempi an.

Das jüngste Mitglied des Quartetts war musikalischer Vermittler zwischen dem motivierten Pianisten und den abgeklärt wirkenden Geigern: Cellist Paul Watkins, seit 2013 beim legendären Ensemble, gab bei Faurés c-Moll-Klavierquartett op. 15 die entscheidenden interpretatorischen Impulse. Ihm gelang es als einzigem Streicher, auch bei Dvořáks zweitem Klavierquintett dasselbe Energieniveau zu vermitteln wie Kissin. Dieses Stück scheint dem Pianisten zu Herzen zu gehen. Er wirkte gelöst und zauberte einen magischen Klavierklang zwischen schwebend und perlend.