2019, wenn Rolando Villazón das Ruder übernimmt bei der Salzburger Mozartwoche, wird zwar der Event-Wert rapide zunehmen. Um Mozart im Originalton wird es aber so ziemlich geschehen sein. Schade, ging einem am Sonntagabend durch den Kopf - angesichts Sir John Eliot Gardiners und seiner English Baroque Soloists.

Gardiner, nach dem Tod Harnoncourts quasi zum Doyen in der Szene der Alten Musik aufgerückt, ist Instanz auch in Sachen Mozart. Das hat das Konzert im Großen Festspielhaus Note um Note gespiegelt. Was für eine nette Idee gleich eingangs, ein Jugend-Sinfoniechen zurückzuverwandeln in ein Gesangsstück: Mozart hat die Ouvertüre zu "Il re pastore" unter anderem durch eine Sopran-Arie (die er der Oboe anvertraute) als langsamen Satz zur Symphonie ergänzt. Gardiner hat den Spieß wieder umgedreht, und statt des Blasinstrumentes eben wieder eine Sängerin (Angela Hicks) schwärmen lassen "vom leisen Murmeln" ihres "Freundes Bach". Ein anmutiger Auftakt für ein Konzert, das man mit dem Motto "singend und sprechend" gut umschreiben könnte.

Schlanke Artikulation

Im Zentrum die Sinfonia concertante Es-Dur KV 364. Es gibt vielleicht keine weitere Wiedergabe, die den Kern einer Concertante so schlüssig getroffen hätte wie Sir John Eliot im Verein mit Isabelle Faust (Violine) und Antoine Tamestit (Viola). Da war vom ersten Motiv - wie heftig dynamisch akzentuiert die gleichen Töne! - klar, dass das Gewicht auf dem Wort "Sinfonia" liegt, dass also nicht ein Orchester zwei Soloinstrumente bloß begleitet, sondern ihnen mit seinem aktiven Zutun Impulse gibt, sie gezielt wachkitzelt. Das heißt nicht, dass Gardiner nicht auch die streichenden und blasenden Leute zurückgehalten hätte, um Faust und Tamestit Gelegenheit zu geben, in ganz schlanker Artikulation auch in den beschwingten Ecksätzen die Lyrismen gediegen auszuspielen.

Das wirklich Entscheidende passierte im langsamen Satz, Melancholie geradezu als medizinischer Befund mit Tiefenschärfe. Berührender und zugleich analytischer kann man das nicht rausbringen. Es war da, wie auch für die nach folgenden Symphonien G-Dur KV 318 und Es-Dur KV 543, höchst aufschlussreich zu beobachten: wie gediegen Gardiner die Spannung und Motorik aus den klanglichen Gegebenheiten der Originalinstrumente heraus entwickelt.