Als 1997 das Album "OK Computer" herauskam, war das nicht nur ein Verkaufserfolg für die Band Radiohead. Es war wohl auch eine Art Hoffnungsschimmer für gewisse Kollegen. Die Scheibe bewies: Es lässt sich auch eine Rockmusik unters Volk bringen, die mit seltsamen Harmoniewechseln und Taktarten gespickt ist - vorausgesetzt, sie hat den nötigen Biss.

Im gleichen Jahrzehnt ist in Wien die Band Rosensprung gegründet worden. Ihr Werk hat von Radiohead profitiert, aber auch von anderen Vertretern des harsch-komplexen Gitarrenrocks. Auf dem neuen Album merkt man das etwa dem Lied "Nano" an. Ein erstaunlicher Mix: Der griffige Beat erinnert genauso an die Queens of the Stone Age wie das schräge Riff, das hereinplatzende Freejazz-Saxofon gemahnt an King Crimson, der schrullige Text wiederum ("Mit meinem Nano-Staubsauger / saug ich die Welt") an die guten Zeiten der Neuen Deutschen Welle. Eine Attraktion ist aber auch die Power-Ballade "Amorph" mit ihren sprunghaften Akkorden; die "Widergänger" dagegen verweisen auf den geradlinigen Depri-Rock der 80er Jahre. Insgesamt eine erfreuliche Scheibe: "Dunkle Energie" lebt ihren Titel druckvoll, aber dabei auch über raffinierte Kanäle aus.