Es ist ein beeindruckendes spätes Romandebüt, das die gebürtige Kurskerin Ljuba Arnautović (Jahrgang 1954) nun vorlegt. "Im Verborgenen" dreht sich um die reale Familiengeschichte der 1901 geborenen Wienerin Genofeva Benes, die alle nur "Tante Eva" nennen. Sie wächst im Roten Wien auf, ist aktive Kommunistin und kämpft später auch gegen die Nazis, zumindest im Kleinen, indem sie ein U-Boot versteckt. Ob das gut geht, wird an dieser Stelle nicht verraten - sehr wohl aber, dass der Lebensweg der "Tante Eva" ein sehr verschlungener und steiniger ist, geprägt von zwei Weltkriegen und der Zwischenkriegszeit, mit starken Einflüssen aus der Sowjetunion, in die es einen Teil ihrer Familie verschlägt.

Die Autorin, die unter anderem in Moskau gelebt hat, ehe sie 1987 nach Wien übersiedelt ist und unter anderem für das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) gearbeitet hat, schafft das Kunststück, eine anrührende Familiengeschichte völlig unsentimental zu erzählen.

Man leidet mit Genofeva mit, wenn sie inhaftiert und gefoltert wird, ihre Heimat verliert, nagende Ungewissheit über den Verbleib ihrer Kinder verspürt (die sie in gutem Glauben in die scheinbar sichere Sowjetunion geschickt hat), bei jedem verräterischen Geräusch im Versteck zusammenzuckt - und doch die ganze Zeit die starke Frau spielt, die sie vielleicht auch tatsächlich ist.

Arnautović malt ein anschauliches Bild vor allem von der NS-Zeit und den Zuständen in der UdSSR. In gewisser Weise ist es auch eine Abrechnung der Autorin mit der alten Heimat. Und ein Stück Aufarbeitung der Historie ihrer neuen Heimat mit einer Geschichte, die sich in Teilen wohl tausendfach abgespielt haben mag.

Etwas gewöhnungsbedürftig sind die großen Zeitsprünge: Das Buch beginnt mit dem vorgetäuschten Suizid des von Genofeva Geretteten, springt zwischenzeitlich ans Ende des 19. Jahrhunderts und erklärt ihre Herkunft, macht wieder einen Satz in die NS-Zeit, um abermals im österreichischen Bürgerkrieg zu landen, schwenkt dann in die Zeit Jahrzehnte nach Kriegsende, als Genofeva, bereits Großmutter, sich endlich an der Uni einschreibt (es ist auch ein Roman über die Rolle der Frau in der Gesellschaft). Die einzelnen Etappen sind aber doch kurz genug, dass man den roten Faden nicht verliert. Und Arnautović hält sich auch nicht mit Unnötigem auf: Ist der Teil, den es zu erzählen gilt, aus Sicht der Autorin vorerst fertig behandelt, springt sie weiter zum nächsten. Das sorgt für eine gewisse Dynamik, die bis zur letzten Seite aufrecht erhalten bleibt.